Erster Vortrag

GA 233/1923-12-24/p006 ·1923-12-24 · original (original)
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Stellen wir uns einmal unser Seelenleben vor das Seelenauge hin. Nehmen wir irgend etwas aus unserem eigenen Seelenleben heraus. Wir haben irgendein Erlebnis. Wir bilden uns von diesem Erlebnis, an dem wir durch unsere Sinne oder sonst durch unsere Persönlichkeit beteiligt sind, eine Idee, einen Begriff, eine Vorstellung. Wir behalten diese Vorstellung in unserem Denken, und sie kann wiederum nach einiger Zeit als Erinnerung aus unserem Denken in das bewußte Seelenleben heraufkommen. Sie haben heute, sagen wir, irgendwelches Erinnerungserlebnis, das Sie zurückführt in Ihre wahrgenommenen Erlebnisse vor vielleicht zehn Jahren. Und nun fassen Sie ganz genau, was das eigentlich ist. Etwas haben Sie vor zehn Jahren erlebt. Sagen wir, Sie haben vor zehn Jahren eine Gesellschaft von Menschen besucht, Sie haben die Vorstellung bekommen von jedem einzelnen dieser Menschen, deren Antlitz und so weiter. Sie haben erlebt, was diese Menschen zu Ihnen gesagt haben, was Sie mit ihnen gemeinsam getan haben und so weiter. Das alles kann im Bilde heute vor Ihnen auftauchen. Es ist ein innerliches Seelenbild, das von dem Ereignis von vielleicht vor zehn Jahren in Ihnen vorhanden ist. Und nicht nur nach der Wissenschaft, sondern nach einem allgemeinen Gefühl, das allerdings heute von den Menschen schon außerordentlich schwach erlebt wird, aber das vorhanden ist, lokalisiert man eine solche Erinnerungsvorstellung, die ein Erlebnis wiederum heraufbringt, im menschlichen Haupte. Man sagt sich: Im Kopfe ist dasjenige vorhanden, was als Erinnerung an ein Erlebnis da ist.

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Cite: GA 233/1923-12-24/p006 · edition original