Dritter Vortrag
Man drückte das dazumal so aus, daß man sagte: Etwas, was eigentlich eine höhere geistige Kraft ist, wirkt in Uruk als tierische Gewalt, als gespensterhafte tierische Gewalt. - Es kam allerlei über die Bewohner, physische Krankheiten, aber namentlich seelische Zetrüttungen. Und die Folge davon war, daß die eine Persönlichkeit, die sich zu Gilgamesch geschlagen hat, die im Epos Enkidu genannt wird, infolge dieser Schwierigkeiten starb, aber eigentlich zur Fortsetzung der Mission der anderen Persönlichkeit auf Erden auch nach dem Tode geistig bei dieser Persönlichkeit verblieb. So daß wir also die spätere Lebenszeit, die spätere Entwickelung jener Persönlichkeit, die im Epos den Namen Gilgamesch trägt, so aufzufassen haben, daß auch weiterhin ein Zusammenwirken ist zwischen den zwei charakterisierten Persönlichkeiten, aber so, daß Eingebungen, Erleuchtungen des Gilgamesch von seiten des Enkidu in der Folgezeit stattfanden, so daß Gilgamesch allein fortdauernd handelte nicht nur aus seinem eigenen Willen heraus, sondern aus dem Willen der beiden, aus dem Zusammenflusse des Willens der beiden.
Cite:
GA 233/1923-12-26/p016 · edition original