Dritter Vortrag

GA 233/1923-12-26/p019 ·1923-12-26 · original (original)
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Im Mittelalter ist es üblich geworden, wenn man etwas über die geistige Welt erfahren wollte, sich in das Innere des Menschen zu versenken. In der neueren Zeit ist nun, ich möchte sagen, ein noch innerlicherer Vorgang üblich. Aber in jenen älteren Zeiten, von denen ich jetzt spreche, wußte man ganz genau: Die Erde ist nicht jener Gesteinsklotz, als den ihn etwa die heutige Geologie beschreibt, sondern die Erde ist ein lebendig beseeltes, geistiges Wesen. - Und so wie etwa ein kleines Tier, wenn es über den Menschen läuft, den Menschen kennenlernen kann, indem es über die Nase läuft, über die Stirne läuft, durch die Haare läuft und durch diese Reise sein Wissen erwirbt, so war es in der damaligen Zeit, daß der Mensch, indem er sich auf die Wanderung über die Erde machte, die Erde in ihren verschiedenen Konfigurationen an verschiedenen Orten kennenlernte und daß er dadurch Einblicke gewann in die geistige Welt. Er gewann sie, ob ihm nun der Zugang zu den Mysterien gestattet war oder nicht, er gewann sie. Und es ist wirklich keine Äußerlichkeit, daß von Pythagoras und ähnlichen Leuten erzählt wird, daß sie zur Erwerbung ihrer Erkenntnisse eben große Wanderungen machten. Man ging die Erde ab, um in der Mannigfaltigkeit ihrer Konfigurationen dasjenige aufzunehmen, was aus der verschiedenen Gestaltung der geistig-seelisch-physischen Erde an verschiedenen Orten dieser Erde zu beobachten war. Heute können die Menschen nach Afrika, nach Australien reisen, sie erleben ja doch mit Ausnahme der Äuferlichkeiten, die sie anglotzen, nicht viel anderes, als was sie zu Hause auch erleben. Denn für die radikalen Verschiedenheiten, die da bestehen zwischen verschiedenen Erdenflecken, ist eben die menschliche Empfänglichkeit erstorben. In der Zeit, von der ich jetzt spreche, war sie nicht erstorben. Und so bedeutete schon der Drang, durch eine Wanderung über die Erde hin etwas zu bekommen für die Lösung des Problems der Unsterblichkeit, für Gilgamesch etwas sehr Bedeutsames.

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Cite: GA 233/1923-12-26/p019 · edition original