Fünfter Vortrag

GA 233/1923-12-28/p023 ·1923-12-28 · original (original)
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Sehen Sie, in älteren griechischen Zeiten hatte man wahrhaftig nicht notwendig, Geschichte aufzuzeichnen. Wozu denn? Es war ja die lebendige Abschattung da des wichtigen Vergangenen. Die Geschichte las man ab in demjenigen, was sich in den Mysterien zeigte. Da waren die Schattenbilder, die lebendigen Schattenbilder. Was sollte man denn aufschreiben als Geschichte? Da kam die Zeit, wo diese Schattenbilder hinuntergingen in die untere Welt, wo das menschliche Bewußtsein sie nicht mehr aufnehmen konnte. Da entstand zuerst der Drang, nun Geschichte aufzuschreiben. Da kam der erste Prosaiker der Geschichte, Herodot, herauf. Und man könnte von da an viele Namen nennen, immer zielt das daraufhin, sozusagen herauszureißen die Menschheit aus dem Göttlich-Geistigen, sie hinzustellen in das rein Irdische. Aber immerhin war über diesem ganzen Irdischwerden während des Griechentums ein Glanz, ein Glanz, von dem wir morgen hören werden, daß er eben nicht auf das Römertum und nicht auf das Mittelalter übergegangen ist. Ein Glanz war da. Den Schattenbildern, auch den in der Abenddämmerung der griechischen Zivilisation verglimmenden Schattenbildern spürte man es noch an, empfand man es an, daß sie göttlichen Ursprungs waren.

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