Fünfter Vortrag
Ja, nach Süden dürfen wir schauen auch im geschichtlichen Werden mit dem gewöhnlichen, nüchtern prosaischen Verstande, nicht aber nach dem Osten. Denn wenn wir nach dem Osten schauen, müssen wir in Imaginationen schauen: hinten auf dem Hintergrunde die mächtigen Mysterientempel des uralten Asien der nachatlantischen Zeit, wo die Priesterweisen jedem ihrer Schüler seinen Zusammenhang mit dem Göttlich-Geistigen des Kosmos klarlegten, wo eine Zivilisation war, wie sie, wie ich Ihnen geschildert habe, in der Gilgamesch-Zeit aufgenommen werden konnte. Dann müssen wir sehen, indem wir über Asien zerstreut diese wunderbaren Tempel schauen, wie im Vordergrunde Ephesus steht, bewahrend noch vieles von dem, was schon abgeblaßt war in den über Asien zerstreuten Tempeln, vieles von dem noch bewahrend, aber schon ins Griechentum übergegangen. Schon braucht der Mensch nicht mehr auf die Sternkonstellationen und Jahreszeiten zu warten und auf seine eigenen Lebensalter, um die Offenbarungen der Götter zu empfangen in Ephesus, sondern schon kann er durch dasjenige, was er, wenn er reif ist, opfert, wenn er Exerzitien macht, sich den Göttern nahen, so daß sie gnadevoll zu ihm kommen. Und nun sehen wir in einer Welt, die durch dieses Bild wiedergegeben wird, in der Heraklit-Zeit, vorbereitet die Persönlichkeiten, von denen ich Ihnen gesprochen habe, nun sehen wir 356, am Geburtstage Alexanders des Großen, die Feuerflammen auflodern aus dem Tempel von Ephesus. Alexander der Große wird geboren, findet seinen Lehrer Aristoteles. Und es ist, wie wenn aus diesen zum Himmel aufsteigenden Feuerflammen von Ephesus heraus ertönen würde für diejenigen, die verstehen konnten: Begründet ein geistiges Ephesus, wo in den Weiten das alte physische Ephesus wie sein Mittelpunkt, wie sein Zentrum in der Erinnerung dastehen kann.
Cite:
GA 233/1923-12-28/p032 · edition original