Achter Vortrag
Ich glaube allerdings, daß unter den mancherlei Worten, die aus alten Zeiten überliefert sind, die im Leben alter Zeiten auf die Weise zu sehen sind, wie ich sie eben geschildert habe, in dieser physischen Welt dieses eines der furchtbarsten ist: der Neid der Götter. In jenen alten Zeiten wurde alles mit dem Worte Gott bezeichnet, was in übersinnlicher Wesenheit so lebte, daß es niemals nötig hatte, in einem physischen Leib auf Erden zu erscheinen, und man unterschied in jenen alten Zeiten die mannigfaltigsten Göttergeschlechter. Und ganz gewiß, diejenigen göttlich-geistigen Wesenheiten, welche so verbunden sind mit der Menschheit, daß der Mensch seinem innersten Wesen nach dutch sie entstanden und durch den Lauf der Zeiten geschickt ist, diese göttlich-geistigen Wesenheiten, die wir verspüren dutch die Majestät und durch die kleinsten Erscheinungen der äußeren Natur, die wir verspüren durch dasjenige, was in unserem Inneren lebt, diese göttlich-geistigen Wesenheiten können nicht neidisch werden. Aber in der alten Zeit meinte man mit dem Neid der Götter dennoch etwas sehr Reales. Wenn wir die Zeit verfolgen, in der sich das Menschengeschlecht bis gegen Ephesus hin entwickelt hat, da finden wir, daß allerdings die fortgeschritteneren menschlichen Individuen vieles von dem, was ihnen die guten Götter gern in den Mysterien gegeben haben, an sich genommen haben. Denn wir treffen durchaus das Richtige, wenn wir sagen: Es besteht zwischen den guten Menschenherzen und den guten Göttern ein inniges Verhältnis, das immer fester und fester gebunden wurde in den Mysterien, so daß es gewissen anderen, luziferisch-ahrimanischen Götterwesenheiten vor die Seele getreten ist, daß der Mensch immer näher und näher herangezogen wurde an die guten Gottheiten. Und es entstand der Neid der Götter auf den Menschen. — Und wir müssen es immer wieder und wiederum in der Geschichte hören, wie der nach dem Geist strebende Mensch, wenn er einem tragischen Geschick verfällt, in den alten Zeiten so bezeichnet wird, daß man sein tragisches Geschick zusammenbringt mit dem Neid der Götter.
Cite:
GA 233/1923-12-31/p006 · edition original