Neunter Vortrag
Sehen Sie, die Zivilisation der Gegenwart läßt sich begründen mit dieser Form des geistigen Lebens, die eben seit so langer Zeit gepflegt worden ist, aber das Leben läßt sich damit nicht begründen. Diese Zivilisation könnte eine Zeitlang fortgehen. Die Seelen würden eben während des Wachens nichts ahnen von dem Hüter der Schwelle, während des Schlafens von ihm zurückgewiesen werden, damit sie nicht paralysiert würden, und zuletzt würde das bewirken, daß ein Menschengeschlecht in der Zukunft geboren würde, welches keinen Verstand, keine Möglichkeit, Ideen im Leben anzuwenden, in diesem künftigen Erdenleben zeigte, und das Denken, das Leben in Ideen würde von der Erde verschwinden. Ein krankhaftes, bloß instinktives Menschengeschlecht würde die Erde bevölkern müssen. Schlimme Gefühle und Emotionen allein, ohne die orientierende Kraft der Ideen, würden Platz greifen in der Menschheitsentwickelung. Ja, es ist so, daß nicht nur in der schon geschilderten Weise sich durch die Beobachtung der vor dem Hüter der Schwelle stehenden Seele, die keinen Einlaß gewinnen kann in die geistige Welt, daß nicht nur dadurch ein trauriges Bild sich darbietet dem geistig Schauenden, sondern auch noch in einer anderen Beziehung.
Cite:
GA 233/1924-01-01/p014 · edition original