Erster Vortrag

GA 233a/1924-04-19/p007 ·1924-04-19 · original (original)
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Das Osterfest als christliches Fest ist ein Auferstehungsfest. Das entsprechende heidnische Fest, das ungefähr in dieselbe Jahreszeit fällt wie das Osterfest, ist eine Art Auferstehungsfest der Natur, ein Wiederherauskommen dessen, was naturhaft die Winterszeit hindurch, wenn ich mich so ausdrücken darf, geschlafen hat. Aber damit kommen wir an denjenigen Punkt, wo wir betonen müssen, daß das christliche Osterfest ganz und gar nicht ein Fest ist, das irgendwie seinem inneren Sinn und Wesen nach zusammenfällt mit den heidnischen Festen der Frühlings-Tagundnachtgleiche, sondern das Osterfest, als christliches Fest gedacht, fällt eigentlich zusammen, wenn wir schon zurückgehen wollen auf die alten Heidenzeiten, mit alten Festen, die aus den Mysterien herausgewachsen sind und die in die Herbsteszeit fallen. Das Allermerkwürdigste in bezug auf die Festsetzung des Osterfestes, das ja gerade durch seinen Inhalt ganz offensichtlich zusammenhängt mit gewissem altem Mysterienwesen, das Allermerkwürdigste ist: gerade dieses Osterfest erinnert uns daran, welch radikale, welch tiefe Mißverständnisse geschehen sind in der Weltauffassung allerbedeutendster Dinge im Verlaufe der Menschheitsentwickelung. Denn es ist ja nichts Getingeres geschehen, als daß das Osterfest verwechselt worden ist im Laufe der ersten christlichen Jahrhunderte mit einem ganz anderen Feste, daß es dadurch verlegt worden ist von einem Herbstesfeste zu einem Frühlingsfeste.

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