Erster Vortrag

GA 233a/1924-04-19_03/p015 ·1924-04-19 · original (original)
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Wenn man dieses mit den Einzuweihenden in den Tiefen der Mysterien Veranstaltete verglich mit dem, was als Kultushandlungen draußen vollzogen wurde, dann war der Inhalt des Kultus bildhaft, aber in seiner ganzen Struktur ähnlich dem, was da geschah mit den auserlesenen Menschen innerhalb der Mysterien. Und der Kultus nehmen wir als den Repräsentanten den speziellen Adoniskultus -, der Kultus wurde auch denjenigen, die daran teilnahmen, in entsprechender Zeit erklärt. Dieser Kultus fand ja statt zur Herbsteszeit, und diejenigen, die an diesem Kultus teilnahmen, wurden etwa in der folgenden Art belehrt: Seht, es ist Herbsteszeit. Die Erde ‚verliert ihren Pflanzen-, ihren Blattesschmuck. Alles welkt hinunter. An die Stelle des grünenden, sprießenden Lebens, das im Frühling begonnen hat die Erde zu bedecken, wird der die Erde einhüllende Schnee kommen oder wenigstens die die Erde verödende Dürre. Die Natur erstirbt. Aber indem um euch herum alles erstirbt, sollt ihr erleben, was im Menschen zur Hälfte ähnlich ist dem Sterben, das in aller Natur ringsherum ist. Auch der Mensch stirbt. Auch für ihn kommt ein Herbst. Wenn es mit dem Leben zu Ende geht, dann ist es recht, wenn das menschliche Gemüt derjenigen, die übrigbleiben, sich erfüllt mit tiefer Trauer. Und damit der ganze Ernst des Durchganges durch den Tod vor eure Seele trete, damit ihr nicht bloß den Tod erlebt, wenn er an euch herantritt, sondern damit ihr euch immer wieder und wiederum an ihn erinnern könnt, so wird eben allherbstlich gezeigt, wie gerade dasjenige göttliche Wesen, das da ist der Repräsentant der Schönheit, der Jugend, der Größe des Menschen, wie dieses göttliche Wesen stirbt, wie dieses göttliche Wesen den Gang macht, den alles Naturhafte macht. Aber gerade wenn die Natur in ihre Öde eingeht, wenn es in der Natur ins Sterben kommt, dann sollt ihr euch erinnern an etwas anderes. Dann sollt ihr euch erinnern, daß der Mensch durch die Pforte des Todes geht, daß, während er hier im irdischen Dasein nur Dinge erlebt hat, die gleich sind denen, die im Herbste ersterben, während er hier im Irdischen nur die Dinge erlebt hat, die vergänglich sind, daß er von der Erde abgezogen wird und in die Weiten des Weltenäthers sich hinauslebt. Er sieht sich immer größer und größer werden, er wird so, daß die ganze Welt sein eigen wird. Er lebt sich hinaus durch drei Tage in das ganze weite Weltenall. Und dann, während das irdische Auge hier hingelenkt ist auf das Bild des Todes, während das irdische Auge hingelenkt ist auf dasjenige, was stirbt, auf das Vergängliche, erwacht drüben im Geiste nach dreien Tagen die unsterbliche Menschenseele. Sie steht drüben auf. Sie steht auf, um drei Tage nach dem Tode geboren zu werden für das Geisterland.

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Cite: GA 233a/1924-04-19_03/p015 · edition original