Achter Vortrag
Man kann schon sagen: Im bewußten Tagesleben erlebt man, was die Menschen denken und fühlen, wie sie gefördert oder nicht gefördert sind durch uns selber. Im Schlafe erlebt man unbewußt, was die Götter denken über unsere Taten und über unsere Gedanken während des wachen Lebens; aber man weiß eben nichts davon. Deshalb kommt sich derjenige, der in die Geheimnisse des Daseins hineinblickt, so verstümmelt vor, wie ich es Ihnen beschrieben habe, so mit einer Schuld belastet. Das ist alles im Unterbewußten geblieben. Nach dem Tode wird es wirklich bewußt durchlaufen. Und deshalb wird derjenige Teil des Lebens, der verschlafen worden ist, eben noch einmal durchlebt, das heißt ungefähr ein Drittel des Erdenlebens der Zeit nach. Wenn also jemand durch den Tod gegangen ist, so lebt er Nacht für Nacht wiederum zurück; nur wird das, was er unbewußt Nacht für Nacht gelebt hat, jetzt bewußt durchlebt. Man kann schon sagen, obwohl es fast scheint, als wollte man über diese außerordentlich ernsten Dinge spotten: Verschläft einer den größten Teil seines Lebens, so dauert dieses Nacherleben nach dem Tode länger; ist er ein Kurzschläfer, dauert es kürzer; durchschnittlich eben ein Drittel, weil er ein Drittel verschläft. Wird also einer im physischen Erdenleben sechzig Jahre alt, so dauert dieses Durchleben nach dem Tode zwanzig Jahre. Und während dieses Durchlebens macht man für die geistige Welt eine Art Embryonalzustand durch.
Cite:
GA 234/1924-02-09/p035 · edition original