Elfter Vortrag

GA 235/1924-03-22/p045 ·1924-03-22 · original (original)
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Sie werden begreiflich finden, meine lieben Freunde, daß gerade diese Persönlichkeit mit Bezug auf Karma, mit Bezug auf ihren eigenen Durchgang durch die verschiedenen Erdenleben im höchsten Grade interessant ist. Denn etwa eine allgemein geltende Idee war in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Idee der wiederholten Erdenleben nicht. Sie ist schon bei Lessing fast wie aus der Pistole herausgeschossen, wie eine aufblitzende, geniale Idee. Und man kann nicht sagen, daß es irgendwie gelingen könnte, sie durch Erziehung oder durch irgend etwas zu erklären, was Einfluß haben könnte auf dieses besondere Lessing-Leben und wiederum auf dieses Lessing-Leben im hohen Alter. Das legt einem schon die Aufgabe nahe, zu fragen: Wie mag es mit dem vorangegangenen Erdenleben bei einem Menschen sein, bei dem in einem bestimmten Alter die Idee der wiederholten Erdenleben, die sonst seiner ihn umgebenden Zivilisation fremd ist, plötzlich auftaucht, und zwar auftaucht so, daß der Mensch selber hinweist darauf, wie sie einmal in der Urzeit vorhanden war; also eigentlich innere Gefühlsgründe anführt, die mit dem Hinweis auf die eigenen Erdenleben bis weit zurück zusammenhängen, trotzdem Lessing in seinem gewöhnlichen Oberbewußtsein gewiß von solchen Zusammenhängen keine Ahnung hatte? Aber die Dinge, die man nicht weiß, sind ja deshalb doch da. Wenn nur diejenigen Dinge da wären, die manche Menschen wissen, dann wäre die Welt sehr arm an Ereignissen und an Wesenheiten. Das ist die zweite Frage, die uns beschäftigen soll in karmischer Beziehung.

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