Zwölfter Vortrag
Wenn man, wie es heute üblich ist, unsere gegenwärtigen Lese- und Schreibkenntnisse vom sechsten, siebenten Lebensjahre an sich aneignen muß, so ist das eine solche Tortur für die Seele, die sich ihrer besonderen Eigenart nach entwickeln will, daß - ja, ich kann nur sagen, was ich schon in meiner Lebensbeschreibung gesagt habe: Ich verdanke das Hinwegräumen manches Hindernisses dem Umstande, daß ich mit zwölf Jahren nicht orthographisch schreiben konnte, überhaupt noch nicht ordentlich schreiben konnte. Ich habe es erwähnt in meiner Lebensbeschreibung, denn das so Schreibenkönnen, wie man es heute verlangt, ertötet gewisse Eigentümlichkeiten des Menschen.
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GA 235/1924-03-23/p014 · edition original