Fünfter Vortrag

GA 236/1924-04-27/p046 ·1924-04-27 · original (original)
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Auf der einen Seite kommt man in sein Inneres hinunter, auf der anderen Seite trifft man auf mit dem Blick nach außen auf das, was in der Architektur da ist, in der Tempelarchitektur, in der Kirchenarchitektur. Es schließt sich das merkwürdig zusammen. Zwischen dem, was im Inneren lebt, und dem, auf was der Blick hier zurückgeworfen wird, da ist ein Mittelfeld (orange), das ja der Mensch im gewöhnlichen Bewußtsein gar nicht sieht, weil er seinen äußeren Blick heute nicht abfangen läßt von einer wirklichen, verinnerlichten Architektur, und weil er seine Innenschau nicht abfangen läßt von Imaginativem, von Bildhaftem. Aber was dazwischenliegt: Gehen Sie mit dem im Leben herum, gehen Sie herum mit einer durch Imagination vertieften Innenerkenntnis und mit einem durch äußere architektonische Formen, die nun wirklich aus dem Menschlichen heraus erbaut sind, geheilten Sinnesempfinden, dann bekommen Sie die Empfindung, wie sie die älteren Menschen gehabt haben für die Schicksalsschläge. Wenn man das ausbildet, was zwischen diesen beiden liegt, zwischen Empfindung des wahrhaft Architektonischen und Empfindung des wahrhaft symbolisch nach innen Gehenden, dann findet man die Empfänglichkeit für die Schicksalsschläge. Man empfindet das, was geschieht, als herüberkommend aus früheren Erdenleben Das ist nun wieder die Einleitung zu weiteren Karmabetrachtungen, die in der nächsten Zeit angestellt werden sollen und die dann auch das «Gut und Böse» in die Karmabetrachtungen einschließen. Aber sehen Sie, es handelt sich ja wirklich darum, daß in der anthroposophischen Bewegung real gedacht wird. Die dem heutigen modernen Menschen angemessene Architektur, die seinen Blick in der richtigen Weise abfangen könnte und die sein naturalistisches Schauen, das ihm das Karma verdeckt und verfinstert, allmählich in die Anschauung hätte hereinbringen können, die stand da draußen in einer gewissen Form da. Und daß innerhalb dieser Formen wiederum gesprochen wurde in anthroposophischen Auseinandersetzungen, das gab die Innenschau. Und unter allem anderen, was schon hervorgehoben worden ist, war gerade dieses Goetheanum, dieser Goetheanumbau mit der Art und Weise, wie in ihm immer mehr und mehr Anthroposophie getrieben worden wäre, die Erziehung zum karmischen Schauen. Diese Erziehung zum karmischen Schauen, sie muß in die moderne Zivilisation herein.

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Cite: GA 236/1924-04-27/p046 · edition original