Siebenter Vortrag

GA 236/1924-05-09/p023 ·1924-05-09 · original (original)
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Was heißt, sich damit fortbeschäftigen? Sehen Sie, wenn Sie sich wirklich Mühe geben, solch ein Bild stramm zu bilden, mit charakteristischen, starken Linien ganz plastisch auszuarbeiten am ersten Tag, nachdem Sie das Erlebnis gehabt haben, dann haben Sie sich schon geistig angestrengt. So etwas kostet geistige Anstrengung. Verzeihen Sie, es soll nicht eine Anspielung sein — die Anwesenden sind ja immer bei allen diesen Dingen ausgenommen -, aber gesagt werden muß doch: Die meisten Menschen kennen nämlich gar nicht das, was geistige Anstrengung ist, denn die geistige Anstrengung, die wirkliche geistige Anstrengung geht erst durch Aktivität der Seele vor sich. Wenn man so die Welt auf sich wirken läßt, die Gedanken ablaufen läßt, ohne diese Gedanken in die Hand zu nehmen, dann hat man keine geistige Anstrengung. Müde werden, das bedeutet nicht, geistige Anstrengung gehabt haben. Man darf nicht sich einbilden, wenn man von irgend etwas müde wird, daß man sich geistig angestrengt hat. Müde kann man zum Beispiel auch beim Lesen werden. Aber wenn man nicht selber irgendwie mitproduzierend tätig ist beim Lesen, wenn man nur die Gedanken des Buches auf sich wirken läßt, strengt man sich ja nicht an. Im Gegenteil, derjenige, der sich wirklich geistig angestrengt hat, der aus der inneren Aktivität der Seele heraus sich angestrengt hat, der greift dann zu einem Buch, und zwar zu einem sehr interessanten; dann schläft er gerade die geistige Anstrengung im Lesen am allerbesten aus. Aber einschlafen kann man natürlich über einem Buche, wenn man müde geworden ist. Dieses Müde-Werden ist gar nicht ein Zeichen für die geistige Anstrengung.

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Cite: GA 236/1924-05-09/p023 · edition original