Erster Vortrag

GA 237/1924-07-01/p026 ·1924-07-01 · original (original)
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Und so lebendig müssen wir über eine geisteswissenschaftliche Erkenntnis denken, wie es sich uns ergibt, wenn wir solche Erscheinungen, die noch gar nicht so lange hinter uns liegen, anschauen. Man denke sich den scholastischen Denker oder Schriftsteller des 13. Jahrhunderts. Er schreibt seine Gedanken hin. Heute ist denken leicht, denn die Menschen haben sich schon gewöhnt, intellektualistisch zu denken. Dazumal fing es eben an, da war es noch schwer. Da war man sich noch bewußt einer ungeheuren inneren Anstrengung, da war man sich bewußt einer Ermüdung durch das Denken wie durch das Holzhacken, wenn ich mich trivial ausdrücken darf. Heute ist ja das Denken vieler Menschen schon ganz automatisch geworden. Und ist man denn heute etwa von der Sehnsucht befallen, jeden seiner Gedanken mit seiner menschlichen Persönlichkeit zu verfolgen? Man hört zu, wie die Menschen heute wie ein Automat einen Gedanken aus dem anderen hervorgehen lassen können, so daß man gar nicht nachkommt, daß man auch gar nicht weiß, warum; denn da ist nichts von einer Notwendigkeit vorhanden. Aber solange der Mensch im Leibe lebt, soll er mit seiner Persönlichkeit seine Gedanken verfolgen. Dann nehmen sie schon einen anderen Gang: sie breiten sich aus, wenn er gestorben ist.

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Cite: GA 237/1924-07-01/p026 · edition original