Fünfter Vortrag
Das verschwand im 9., 10., 11. Jahrhundert gegen das 14. Jahrhundert hinüber vollständig. Das Nur-Hören wurde immer mehr gang und gäbe. Da entstand denn das Bedürfnis, an etwas anderes zu appellieren, wenn man von dem Geistigen sprach. Da entstand das Bedürfnis, aus dem, der zuhören sollte, herauszuziehen dasjenige, was er als Ansicht haben sollte über die geistige Welt. Es entstand das Bedürfnis, ihn gewissermaßen so zu bearbeiten, daß er sich aus diesem verhärteten Körper heraus doch noch gedrängt fühle, etwas über die geistige Welt zu sagen. Und daraus entstand das Bedürfnis, in Frage- und Antwortspiel die Unterweisung über die geistige Welt zu geben. Indem man fragt - Fragen haben immer etwas Suggestives -: Was ist die Taufe? — und den Menschen auf eine bestimmte Antwort präpariert, oder: Was ist die Firmung? Was ist der Heilige Geist? Was ist der Tod? Welches sind die sieben Hauptsünden? — indem man dieses Frage- und Antwortspiel präpariert, ersetzt man das selbstverständliche elementare Zuhören. Und es kam in dieser Zeit — zuerst an diejenigen Menschen, die in solche Schulen kamen, wo man das tun konnte - herauf, was ein Einlernen in Frage und Antwort war dessen, was über die geistige Welt zu sagen war: der Katechismus entstand.
Cite:
GA 237/1924-07-11/p030 · edition original