Achter Vortrag
Raimundus von Sabunda erinnerte daran, wie einstmals im Sephirotbaum, in den Aristotelischen Kategorien, in jenen allgemeinen Begriffen, die so sonderbar ausschauen für den, der sie nicht versteht, wie in alledem enthalten ist dasjenige, was durch die Intelligenz hinaufführen soll in die geistige Welt. Wie trocken, wie schrecklich trocken nimmt sich für die Menschen aus, was in den Aristotelischen Kategorien enthalten ist, wenn da in den Logiken gelernt wird: Sein, Verhalten, Tun, da, dort - zehn solche Kategorien, zehn solche allgemeinen Begriffe. Da sagen die Menschen: Das ist natürlich zum Davonlaufen, solche allgemeinen Begriffe zu lernen, ist zum Davonlaufen! Warum soll man sich denn für zehn solche allgemeine Begriffe: Sein, Haben, Werden und so weiter, warum soll man sich denn dafür echauffieren? — Das ist aber gerade so, wie wenn jemand sagen würde: Da ist der Goethesche «Faust», da machen die Leute ein Wesen aus dem Goetheschen «Faust»! Der besteht doch nur aus a, b, c, d, e, f bis z! Es ist nichts anderes drinnen in dem Buch, nur in verschiedenen Kombinationen, als a, b, c, d, e, f bis z. Und einer, der nicht lesen kann und den Goetheschen «Faust» in die Hand nimmt, der wird nicht darauf kommen, was für eine ungeheure Größe darinnen ist, sondern wird immer nur a, b, c, d, e, f bis z sehen. Einer, der nicht weiß, wie a, b, c, d zu kombinieren sind, der nicht weiß, wie sie gegeneinander sich verhalten, der kann den «Faust» eben nicht lesen.
Cite:
GA 237/1924-08-01/p036 · edition original