Elfter Vortrag
Sehen Sie, es war eine andere Stellung möglich zu einem der glänzendsten Schriftsteller der letzten Zeit, einem der größten Schriftsteller, bevor dessen letzte Werke erschienen sind. Als ich mein Buch schrieb: «Nietzsche, ein Kämpfer gegen seine Zeit», hatte man es in der Öffentlichkeit zu tun mit dem blendenden Schriftsteller, der menschliche Fähigkeiten bis zum Höchsten hinauf gesteigert hatte. Dann erst wurde man bekannt mit dem, was Nietzsche in der Zeit seines Verfalles geschrieben hat. Da sind vor allen Dingen zwei Werke, «Antichrist» und «Ecce homo»: das sind zwei Werke, die Ahriman geschrieben hat nicht Nietzsche, sondern ein ahrimanischer Geist, in Nietzsche inkorporiert. Da trat zuerst Ahriman als Schriftsteller auf Erden auf. Er wird das fortsetzen. Nietzsche ist daran zerschellt. Man denke, welchen Impulsen man gegenübersteht, wenn man jenen Ideen gegenübersteht, die in Nietzsche gelebt haben in der Zeit, wo er aus jenem Geiste heraus jene glänzenden, aber teuflischen Werke geschrieben hat, die Werke «Antichrist» und «Ecce homo» - intelligente Werke! Ich habe gesprochen von der großen, umfassenden Intelligenz Ahrimans. In bezug auf das, was großartig, blendend ist, setzt man ein Werk nicht herunter, wenn man es ahrimanisch nennt, wie Einfältige meinen können, die nicht wissen, welche Größe in Ahriman sein kann. Man tadelt nicht, man lobt nicht, wenn man von Ahriman spricht; sehr viel auf Erden hängt von ihm ab. Wer geblutet hat — ich meine es seelisch -, wie ich geblutet habe, als ich zum ersten Mal Nietzsches Schrift «Der Wille zur Macht» las, die dann veröffentlicht worden ist in einer Weise, daß die Menschen keine richtige Vorstellung davon bekommen konnten, und wer zu gleicher Zeit hineinschauen kann in die Reiche, die, seitdem die Herrschaft des Michael besteht, seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, nur durch eine ganz dünne Wand getrennt sind von den physischen Erdenreichen, wer weiß, wie dieses Reich ganz unmittelbar anstößt an das physische Reich, so daß man sagen kann, es ist das ein Reich, das ähnlich ist dem Reich, das der Mensch durchmacht nach dem Tode, wer hineinschaut, wie die Anstrengungen sind nach dieser Richtung, der weiß, wie sie impulsierend zum Ausdruck kommen in so etwas wie «Ecce homo» und «Antichrist». Man braucht nur daran zu denken, was für ahrimanische Bemerkungen im «Antichrist» stehen. Ich weiß nicht, ob in den neueren Ausgaben die Stelle auch so steht. Es gibt eine Stelle, wo er über Jesus schreibt - ich zitiere nicht wörtlich — und sagt, Renan bezeichne Jesus als Genie. Nietzsche sieht ihn nicht als Genie an, er sagt: Mit der Strenge des Physiologen gesprochen, wäre hier ein ganz anderes Wort am Platze... In meiner Ausgabe von Nietzsches Werken stehen an dieser Stelle drei Punkte, ich weiß nicht, ob es in neueren Ausgaben auch so ist, im Manuskript steht hier «Idiot», ganz ausgeschrieben. Daß Jesus als «Idiot» bezeichnet wird, ist die Hand des Ahriman. Und manches andere von dieser Art steht da. Und wer könnte denn glauben, daß nicht da in Nietzsche, der gleichzeitig, als er diese Dinge schrieb, Anwandlungen in seiner Seele hatte, zum Katholizismus zu kommen - es ging parallel, Sie müssen.das nicht vergessen —, wer könnte da glauben, daß da nicht ein tiefes Rätsel verborgen ist? Der «Antichrist» - mit welchen Worten schließt er? Mit den Worten - ich kann es nicht wörtlich zitieren -: Ich möchte es an alle Wände schreiben, und ich habe Schreibmaterial mit weithin leuchtenden Lettern, ich möchte es an alle Wände schreiben, was das Christentum ist: Das Christentum ist der größte Fluch der Menschheit! — So schließt das Buch. Da liegt doch ein Problem vor. Man muß eben sehen, wie dieses ganze, nur durch eine dünne Wand von dem unsrigen getrennte Reich, wo sich alle die geistigen Kämpfe beim Ausgang des Kali Yuga abgespielt haben - noch etwas hinausragend über das Kali Yuga -, wie dieses Reich herein will in das physische Erdenreich.
Cite:
GA 237/1924-08-08/p027 · edition original