Vierter Vortrag
Es wird ersichtlich geworden sein aus den vorangehenden Betrachtungen hier in der Prager Anthroposophischen Gesellschaft, wie ein Wirken des Geistes — oder vielleicht besser gesagt von geistigen Wesenheiten — über der Menschheitsentwickelung waltet, und wie die Menschenseelen selber geisterfüllt von Epoche zu Epoche dasjenige hinübertragen, was sie in einer Epoche sich erarbeitet haben, allerdings auch dasjenige, was sie als Schuld in der einen Epoche auf ihre Seelen gehäuft haben. Aber all das läßt uns ja einen tiefen Blick in das’ Leben des physisch-seelisch-geistigen Kosmos hineintun, und erst dadurch begreifen wir unser Menschenwesen, wenn wir einen solchen Blick tun. Denn ohne daß wir dabei in irgendeinen Hochmut verfallen, müssen wir uns gestehen, daß wir dem geistigen Urquell des Kosmos mit unserer eigenen Menschennatur verbunden sind und wir unsere eigene menschliche Natur nur verstehen, wenn wir den Kosmos geistig durchdringen. Nun soll seit der Weihnachtstagung ja nicht nur die Anthroposophie verwaltet werden innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft, sondern das Verwalten soll selbst Anthroposophie sein. Und das muß ja auch in der Umgestaltung des anthroposophischen Wirkens zum Ausdruck kommen. Ich habe mich daher nicht gescheut, in diesen Vorträgen vom Exoterischen weg mehr ins Esoterische hinein die Betrachtung strömen zu lassen, und einiges von dem möchte ich heute noch zu diesem Gesagten hinzufügen. Ich möchte hinzufügen etwas, was anschaulich machen kann, wie die menschliche Seele aus der einen Zeitepoche in die andere hinübergetragen wird. Dasjenige, was im Großen und Ganzen geschieht, geschieht ja auch für den Einzelnen, und wenn wir das Karma begreifen von Persönlichkeiten, die uns allen bekannt sind, so können wir auch ein Licht werfen auf unser eigenes Karma. Deshalb lassen Sie uns heute die Betrachtung über Karma noch etwas im Konkreten fortsetzen.
Cite:
GA 239/1924-04-05/p004 · edition original