Vierter Vortrag
Die andere Frage, auf die so etwas führt, ist diese — wahrhaftig eine tiefgehende Frage! Wir müssen ja immer darauf aufmerksam machen, wenn wir geisteswissenschaftliche Betrachtungen anstellen, wie es in alten Zeiten Eingeweihte, Initiierte, Besitzer und Eigentümer der Weltenschau im weitesten Sinne gegeben hat. Die Frage kann nun entstehen: Da ja auch diese Weisen der alten Zeiten sich wiederverkörpern müssen, wo sind sie dann in der neueren Zeit? Und mancher könnte fragen: Wo sind denn die großen Persönlichkeiten der alten Zeit, die als Initiierte gewirkt haben, in späteren Zeiten wirksam? Sehen Sie, sie sind wiedergekommen, diese großen Eingeweihten, aber Sie müssen bedenken, meine lieben Freunde, wie der Mensch, wenn er in irgendeinem Zeitalter erscheint, darauf angewiesen ist, den Körper zu benutzen, den ihm irgendein Zeitalter gibt. Die Körper der alten Zeiten waren gefügiger, waren für den Geist plastischer, biegsamer; und innerhalb des Erdenlebens braucht man den Körper, um dasjenige, was man in sich aufgenommen hat, bevor man heruntergestiegen ist in das Erdenleben, auch wirklich in Erdenoffenbarung und Erdentun umzusetzen. Und so müssen wir gerade bei einer solchen Rätselfrage bedenken —- und damit soll gar keine Kritik geübt werden -, wie ja die ganze Erziehung der ganzen neueren Zeit schon seit Jahrhunderten so ist, daß der menschliche Organismus so wird, daß in unserem Leben gar nicht zur Erscheinung kommen kann, was im Eingeweihten gelebt hat. Es muß vieles ganz in den Untergründen des Daseins bleiben. Und deshalb erscheinen manche Eingeweihte alter Zeiten als Persönlichkeiten, denen man dann mit den Begriffen, die man heute hat, gar nicht ansieht, daß sie einmal Eingeweihte gewesen sind, weil sie den Körper ihres Zeitalters benützen müssen.
Cite:
GA 239/1924-04-05/p008 · edition original