Achter Vortrag
Wenn wir an den letzteren Augenblick uns zunächst halten, so sehen wir ja, wie in den ersten Tagen nach dem Tode die physische Menschenform bis zu einem gewissen Grade erhalten bleibt. Wir fragen uns aber: Wie verhält sich dasjenige, was da als physische Menschenform erhalten bleibt, zur Natur, zu demjenigen Dasein, das uns im Erdenleben in den verschiedenen Reichen der Natur umgibt? Sind diese Reiche der Natur, ist die ganze äußere Natur imstande, sich so zu dem Überreste der menschlichen Wesenheit zu verhalten, daß sie diesen Überrest in seiner Bildung aufrechterhalten kann? Nein, dazu ist die Natur nicht imstande. Die Natur ist einzig und allein in der Lage, dasjenige, was als menschlich-physisches Gebilde aufgebaut ist seit dem Hineintreten in das physische Erdenleben, zu zerstören, und mit dem Tode beginnt die Auflösung der Form, die der Mensch als seine Erdenform betrachtet. Wer diese ja ganz offensichtliche Wahrheit nur tief genug auf seine Seele wirken läßt, dem geht auf, wie einfach schon in der physischen Menschenform der Gegenbeweis gegen alles Materielle liegt. Denn wäre das Materielle richtig, so müßte man sagen können, die Natur baue die menschliche Form auf. Man kann es nicht sagen, denn die Natur kann die menschliche Form nur zerstören, nicht aufbauen. Und es kann von diesem Gedanken ein mächtiger Eindruck ausströmen. Er strömt auch aus, er wird nur sehr häufig nicht in die richtige Gedankenform gebracht. Er lebt im Unbewußten der menschlichen Seele, er lebt in allem, was wir beim Todesrätsel empfinden. Da aber lebt er doch ein energisches Dasein. Und Anthroposophie will ja nichts anderes, als solche Rätsel, die dem unbefangenen Menschensinn an dem Leben aufgehen, bis zu jenem Grade der Lösung bringen, der “ eben wiederum zur richtigen Führung des Lebens notwendig ist. Und so muß sie zunächst einfach den unbefangenen Menschengeist hinweisen auf dasjenige, was der Moment des Todes ist.
Cite:
GA 239/1924-06-07/p005 · edition original