Achter Vortrag
Einige werden doch wohl meine Mysterien kennen und in diesen Mysterien die Gestalt des Strader. Die Gestalt des Strader ist dem Leben nachgezeichnet. Es hat eine solche Persönlichkeit annähernd gegeben, sie hat mich außerordentlich interessiert. Ich habe das Leben dieser Persönlichkeit äußerlich verfolgt, die in der Gestalt des Strader — natürlich poetisch verändert — gegeben ist. Nun wissen Sie ja, daß ich vier Mysteriendramen geschrieben habe. Im vierten stirbt Strader. Dieses vierte Mysteriendrama, das 1913 geschrieben ist, das erlebte ich so, daß ich gar nicht anders konnte, als Strader sterben zu lassen. Warum? Nun, mein Blick war, solange das Vorbild von Strader in der physischen Welt hier lebte, auch auf dieses Vorbild des Strader gerichtet. Aber nun war mittlerweile dieses entsprechende Vorbild gestorben. Es hat mich so interessiert, daß ich es weiter verfolgte. Da waren die Eindrücke von dem Leben nach dem Tode so stark, daß sie mir völlig das Interesse auslöschten, wie er war während des Erdenlebens. Nicht so, als ob die Teilnahme nicht geblieben wäre, aber es war diese Teilnahme nicht hinreichend gegenüber den gewaltigen Eindrücken von dem, was er erlebte nach seinem physischen Erdentode, wenn man das verfolgte. Ich mußte den Strader sterben lassen, weil sein Vorbild mir vor Augen war, wie es nach dem Tode weiterlebte, und das war viel stärker als das frühere Leben.
Cite:
GA 239/1924-06-07/p019 · edition original