Neunter Vortrag
Indem der Mensch in die Merkursphäre eintritt, wird er weiter geläutert und gereinigt. Der Mensch hat nämlich, wenn er sozusagen das für den Kosmos moralisch Unbrauchbare in der Mondensphäre abgelegt hat, noch immer an sich die geistigen Gegenbilder seiner physischen Untauglichkeiten, seiner physischen Schwächen. Er hat in sich diejenigen Krankheitsanlagen und Krankheitsergebnisse, die er hier auf Erden durchlebt hat. Nun wird es Sie überraschen, aber die Sache ist so, daß wir zuerst in dem Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt ablegen die moralischen Schwächen, während die physischen Schwächen später erst abgelegt werden, nämlich in der Merkursphäre. Da wird der Mensch geläutert und gereinigt in seiner Seele von all dem, was er in der Seele miterlebt hat während der Erdenzeit: die verschiedensten Krankheitsprozesse. Der Mensch wird also seelisch völlig gesund gemacht in der Merkursphäre. Denn Sie müssen bedenken, der Mensch ist ja durchaus ein einheitliches Wesen. Man spricht ganz falsch über den Menschen vom okkulten Standpunkt aus, wenn man sagt, der Mensch sei eine Zusammensetzung von Geist, Seele und Leib. Er ist nicht aus diesen drei Bestandteilen etwa zusammengesetzt, sondern wenn man ihn betrachtet, so nimmt er sich nach der einen Seite als Leib, nach der anderen als Geist aus und zwischendrinnen als Seele; aber in Wirklichkeit ist das alles eine Einheit. Wenn der Mensch krank ist, so erlebt die Seele auch das Kranksein; der Geist durchlebt es auch, das Kranksein. Und wenn dann der Mensch im Tode den physischen Leib abgelegt hat, so hat er in der Seele zunächst die Wirkungen auch jener Erlebnisse, die er durch die Krankheitsprozesse durchgemacht hat. Die aber werden in der Merkursphäre völlig abgelegt unter der Einwirkung jener Wesenheiten, die wir als die Archangeloi bezeichnen. Da wird also der Mensch nach und nach durch Monden- und Merkursphäre ein Wesen, das keine moralischen und keine physischen Schwächezustände mehr in sich hat. Er tritt in diesem Zustande nun ein - mittlerweile sind viele Jahrzehnte verflossen — in die Venussphäre. Und in dieser Venussphäre wird das, was jetzt vom Menschen hindurchgedrungen ist durch Monden- und Merkursphäre, so bearbeitet, daß der Mensch übergehen kann, nachdem er die Venussphäre durchgemacht hat, in die Sonnensphäre. Und wir durchleben in der Tat einen größeren Teil unseres Lebens zwischen dem Tode und einer neuen Geburt in dieser Sonnensphäre.
Cite:
GA 239/1924-06-08/p006 · edition original