Zehnter Vortrag

GA 239/1924-06-09/p004 ·1924-06-09 · original (original)
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Wir müssen uns nur eine ganz bestimmte Vorstellung aneignen, die vielleicht zunächst etwas sonderbar erscheint, wenn man herkommt aus den Gewohnheiten, die man im Denken und Empfinden auf der Erde hat. Wenn wir als Menschen auf der Erde stehen und uns hineinfühlen in das Dasein, dann denken wir, das Irdische sei unmittelbar um uns herum, auf der Erdoberfläche, unter der Erdoberfläche, ein wenig darüber, im Umkreis, und wir senden wohl aus einer bestimmten Empfindung heraus den Blick über uns hinaus, wenn wir zu dem sogenannten Überirdischen hinschauen wollen. Wir erblicken dann in unserem Gemüte das Überirdische als etwas, was oben über uns steht. Nun ist es sonderbar, aber doch eben wahr: Wenn wir selber in denjenigen Sphären sind, auf die wir da von der Erde aus als zu dem Überirdischen hinaufschauen, dann tritt für uns gerade das Umgekehrte ein. Dann schauen wir aus jenen überirdischen Welten auf das Irdische herunter, und in gewissem Sinne schauen wir während unseres ganzen Daseins zwischen dem Tode und einer neuen Geburt auf das Irdische herunter. Sie werden fragen: Erleben wir denn das Irdische nicht schon hier auf Erden genügend, um vom Überirdischen, gewissermaßen wie zu einem unterirdischen Himmel, herunterzuschauen auf dieses Irdische in dem Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt? - Wenn man das aber einsehen will, so muß man eben durchaus ein anderes ins Auge fassen. Das, was wir hier erblicken auf der Erde, wenn wir innerhalb der Haut in unserem physischen Körper leben zwischen Geburt und Tod, was wir um uns und in den Weltenweiten erblicken, es ist ja gewiß großartig, majestätisch, es erhebt Sinn, Herz und Gemüt, bringt uns in tragisch leidvolle, schmerzensreiche Situationen, es ist ein reiches Leben. Und hier auf der Erde stehend wird sich der Mensch leicht sagen: Gegenüber der Majestät und Größe alles dessen, namentlich des Sternenhimmels, das er auf diese Weise. überblicken kann als seine Außenwelt, ist nur ein Unbedeutendes, was innerhalb unserer Haut lebt, was wir als physische Menschen zwischen Geburt und Tod hier auf der Erde sind. - Allein so ist es eben nicht für die Anschauung, die wir haben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Da ist alles das, was für uns auf Erden hier Außenwelt ist, unsere Innenwelt. Wir vergrößern uns allmählich in die Sphären der Welt hinein. Dasjenige, was wir als uns selber spüren, wird immer größer und größer. Und wenn wir auf irdische Weise aussprechen würden, was wir da erleben, so müssen wir uns folgendes sagen.

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Cite: GA 239/1924-06-09/p004 · edition original