Zehnter Vortrag
Wir schauen also, indem wir so ein Menschenleben überblicken, zu gleicher Zeit in das Weltendasein hinein, und dasjenige, was wir so im Menschen sehen, das ist wahrhaftig nicht ärmer als das, was wir in der sogenannten unmittelbar elementarischen Betrachtung, die nur eine Philisterbetrachtung ist, haben. Es ist schon so, daß man sieht, wie das frühere Geschichtliche in das spätere hinübergetragen wird, und wie die Vermittler die Sternenwelten sind mit ihren Wesenheiten. Dadurch wird Geschichte erst eine Wirklichkeit, sonst bleibt sie Buchstabe, zweiunddreißig Buchstaben. Dann aber beginnen wir zu lesen in der Geschichte, wenn wir sehen, wie hinter den einzelnen Menschenschicksalen ganze Götterwelten-Taten stehen, nur noch grandioser, gewaltiger ausgebreitet als das Geschichtswerden der Menschheit, in das wir immer hineinverwoben finden die menschlichen Einzelschicksale.
Cite:
GA 239/1924-06-09/p017 · edition original