Zehnter Vortrag
Sehen Sie, zu wissen, daß das Voltaire-Dasein zurückführt auf Erlebnisse, die sogar ähnlich waren denen des Augustinus in seiner Jugend, die ähnlich waren den späteren kabbalistischen Erlebnissen, mit all diesem Ironischen, das in der Ur-Kabbalistik vorhanden war, zu wissen, daß das alles da ist, so zu überschauen den Zusammenhang, auch wiederum hineinzuschauen dutch das Zusammenhalten der zwei irdischen Leben in dasjenige, was dazwischen liegt, zwischen Tod und neuer Geburt: das macht die Welt erst ganz, das führt erst hinein in die Wirklichkeit. Wir haben, wenn wir die Erdenleben überblicken, zunächst ganz Unzusammenhängendes in den aufeinanderfolgenden Erdenleben. Man sieht nicht, wie das eine in das andere hineinragt. Aber das sind ja außerdem nur Fragmente. Das, was dazwischen liegt, wird nicht gesehen; aber die Wirklichkeit umfaßt alles dies zusammen. Und es ist schon so, daß man eigentlich an die Wirklichkeit nur herandringt, wenn man nicht nur die Natur, sondern wenn man auch das Menschenwesen nach seinen geistigen Hintergründen betrachtet.
Cite:
GA 239/1924-06-09/p019 · edition original