Zehnter Vortrag
Sehen Sie, wenn man hinschauen kann auf dasjenige, was zwischen Tod und neuer Geburt liegt, so kann einem gerade dadurch klar werden, wie mannigfaltig, wie vielseitig die Welt ist. Denn wenn man auf der einen Seite sagt: In der Marssphäre wird angeregt für das spätere Erdenleben der aggressive Sinn, die Sprachgeschicklichkeit, die Sprachgewaltigkeit -, so ist das nur eine Seite; es werden auch andere Seiten innerhalb des Marslebens angeregt. Und so ist es zum Beispiel auch beim Jupiter. Die Jupitersphäre und ihre Wesenheiten erlebt man, wenn man mit der Initiationseinsicht zurückschaut auf dasjenige, was man zwischen dem neunundvierzigsten und sechsundfünfzigsten Jahre erschaut und auslöscht die Selbstbeobachtung. Da kann man schon von dem Anblicke dessen, was it Jupiter geschieht, etwas erschüttert werden. Denn diese Jupiterwesen sind doch ganz anders als die Menschen. Nehmen wir nur eine Eigenschaft der Menschen, die ja nun an sich mehr oder weniger häufig ist, nehmen wir die Weisheit. Die Menschen sagen: Wir sind weise. — Aber wie schwer erringt sich der Mensch diese Weisheit! Wenn das auch nur ein bißchen Weisheit ist, so ist das etwas schwer Errungenes. Da muß man vieles innerlich durchringen, um sich auf einem Gebiete nur ein bißchen Weisheit zu erwerben. Das alles haben die Jupiterwesen nicht nötig. Die werden mit der Weisheit - ich kann nicht sagen geboren, denn so wie auf der Erde das Entstehen der Menschen im Embryo geschieht, so geschieht nicht das Entstehen der Jupiterwesen. Da müssen Sie sich vorstellen, daß in der Umgebung des Jupiter so etwas ist wie um die Erde die Wolkengebilde. Wenn Sie sich nun vorstellen, aus den Wolken heraus formten sich die Menschenkörper und flögen dann auf die Erde herunter, so würde dies die Art sein, wie auf dem Jupiter aus einer Art von Wolken die neuen Wesen sich herausgestalten, aber so, daß diese Wesen, die etwa aus den Wolken herausflögen, eben die Weisheit zu ihrer Grundeigenschaft haben würden. Wie wir eine Blutzirkulation haben, so haben sie die Weisheit. Aber sie ist kein Verdienst, kein Errungenes, sie haben sie eben. Dadurch denken sie auch ganz anders als die Menschen. Das wirkt zwar erschütternd, aber man muß sich nach und nach an diesen Anblick gewöhnen. Und das ist alles auf dem Jupiter durchdrungen und durchzogen, wie wir auf der Erde von Luft durchdrungen sind, von Weisheit. Die Weisheit ist dort substantiell, sie strömt auf dem Jupiter in Wind und Wettern herum, ergießt sich auf den Jupiter, zieht als Nebel in die Höhe. Das sind aber immer wiederum Wesen, die in einem Weisheitsnebel aufsteigen. Darin nun leben vorzugsweise die Cherubim, die in diesem Zusammenhange an dem menschlichen Karma mit den Menschen zusammen formen. Aber es leben darin auch andere Impulse. Das gilt aber unbedingt: Was ein Mensch in einem früheren Erdenleben durchgemacht hat, wird karmisch zusammengeformt durch die Kräfte der Weisheit, der selbstverständlichen Weisheit. Er kommt dann auf die Erde herunter und trägt das Gepräge desjenigen, was sich dadurch ergibt, daß er früher auf der Erde Erlebtes in selbstverständliche Weisheit zusammengeformt hat, die dann nur auf die verschiedenste Weise zum Ausdruck kommt. Auch dafür ein Beispiel.
Cite:
GA 239/1924-06-09/p021 · edition original