Elfter Vortrag

GA 239/1924-06-10/p008 ·1924-06-10 · original (original)
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Man kann hinschauen auf eine menschliche Individualität, die in dem ersten, zweiten christlichen Jahrhundert, als das Griechentum noch stark hereinwirkte in den Gang der christlichen Entwickelung, im Süden von Europa ihr Leben durchgemacht hat; die damals eine starke, feine, etwas intellektuell gefärbte Empfänglichkeit der Seele hatte für das griechisch gefärbte Christentum, und versetzt worden ist in das Römische Reich, da durchgemacht hat alles das, was man eben in den ersten Jahrhunderten der Ausbreitung des Christentums im Römischen Reich durchmachen konnte: die Christenverfolgungen mit ihrer Ungerechtigkeit, die Gewalttätigkeiten des römischen Cäsarentums, alles dasjenige, was da lag in der Art und Weise, wie sich das römische Cäsarentum überhaupt benahm gegenüber den feineren Menschen; auf eine Seele, die dasjenige, was da angeschaut werden kann, im allertiefsten Sinne mit Empörung durchgemacht hat und eigentlich damals mit einer resignierten Stimmung durch den Tod gegangen ist, die sich sagte: Kann denn eigentlich eine Welt einen Fortschritt entwickeln, in der solches möglich ist? - Zu einem gewissen Zweifel darüber, ob überhaupt in der Welt noch ein Ausgleich zwischen Gutem und Bösem ist, kam diese Seele aus der Betrachtung des römischen Cäsarentums heraus, und vor ihrem geistigen, vor ihrem seelischen Blicke stand auf der einen Seite das Böse der Cäsaren und auf der anderen Seite das in Märtyrertum gegossene Wesen einzelner christlicher Märtyrer. In hartem, schroffem Gegensatz sah diese Seele das Gute auf der einen Seite, das Böse auf der anderen Seite. Mit diesem Eindruck ging sie durch die Pforte des Todes, ging dann hindurch durch weniger bedeutsame Erdenleben. Denn dasjenige, was in jenem Erdenleben im griechisch-römischen Dasein auf diese Seele sich abgeladen hatte, das hatte tiefe Furchen im Seelenleben gezogen. Das war es, was dann, als das achtzehnte Jahrhundert sich nahte, innerhalb der Saturnsphäre weiter ausgearbeitet wurde zu weiterem Karma dieser Individualität.

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