{"corpus":"steiner","locus":"GA 239/1924-06-12/p009","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Sehen Sie, zu solchen Dingen müssen wir es wieder bringen. Wir müssen es dazu bringen, daß wir sagen können gegenüber dem Kinde in seinen ersten sieben Lebensjahren: Du Mensch, um dich herum ist nicht bloß die Natur, die sich in Sinnesoffenbarungen enthüllt. In alledem, was sich da den Sinneswahrnehmungen offenbart, in Farbe, in Formen, in alledem lebt der Geist. — Aber es ist wunderbar, in allem den Geist sprechend zu schauen, und dann ihn wie im Spiegelbild reflektiert wahrzunehmen in der Art und Weise, wie sich in einem Kinde immer geistiger und geistiger seine Physiognomie gestaltet. Wenn man das mit rechter innerlicher Vertiefung durchmacht und mit einer gewissen Andacht gegenüber dem Leben immer wieder in der Seele regsam machen kann, dann wird es einem, aus dieser Andacht gegenüber dem Leben, an dem Kinde zwischen dem siebenten und vierzehnten Jahre aufgehen, wie in den Menschen hineinwirkt, wenn er hier auf der Erde ist, sein vorirdisches Dasein zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Und man wird seelisch erfühlen diese äußere körperliche Entwickelung des Menschen, fühlen, daß darinnen jetzt nicht mehr waltet dasjenige, was in der irdischen Umgebung ist, sondern daß jetzt waltet in der Bildung des Menschen der zweite physische Organismus, den wir uns selber gestalten nur nach dem Modell des ersten. Das kann etwas sehr Großes sein im Leben. Und das wird die Menschheit lernen müssen: den Menschen selber anzuschauen. Dann wird das Leben jene Vertiefung erfahren, ohne welche der weitere Fortschritt der Zivilisation einfach nicht mehr möglich ist. Denn sehen Sie, unsere Zivilisation ist ja ganz abstrakt geworden, total abstrakt geworden! Wir können in unserem gewöhnlichen Bewußtsein überhaupt nur mehr denken, und nur eigentlich dasjenige denken, was uns eingepfropft wird. Auf solche Feinheiten der Anschauung kommen wir ja gar nicht mehr, wie ich sie jetzt beschrieben habe. Daher gehen ja die Menschen heute aneinander vorbei. Der Mensch lernt manches über Tiere, Pflanzen, Mineralien, aber über die Feinheiten der menschlichen Entwickelung lernt er gar nichts. Dieses ganze Seelenleben muß mehr intim werden, muß innerlich feiner, zarter werden, dann werden wir wieder etwas sehen von diesem Leben. Und dann, dann werden wir aus der menschlichen Entwickelung selber heraus hinschauen auf das vorirdische Leben.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Dreizehnter Vortrag","site_heading":null,"date":"1924-06-12","location":null,"word_count":362,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/239/1924-06-12/p009","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/239/1924-06-12/p009"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/239/1924-06-12/p009","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}