Dreizehnter Vortrag
Und dann kommt dasjenige, was an die Geschlechtsreife sich anschließt, es kommen die Jahre zwischen der Geschlechtsreife und dem einundzwanzigsten, zweiundzwanzigsten Jahre. Ja, was offenbart uns da der Mensch alles? Er offenbart uns für das gewöhnliche Bewußtsein eine ganze Umwandlung seines Lebens gegenüber früher, aber eigentlich auf eine grobe Art. Wir sprechen von Flegeljahren, Rüpeljahren, und deuten damit an, daß wir uns bewußt sind: eine Umänderung des Lebens geht vor sich. Der Mensch stellt mehr sein Inneres heraus. Aber wenn wir uns für die zwei ersten Lebensepochen ein feineres Empfinden aneignen, so wird dasjenige,was da der Mensch nach der Geschlechtsreife herausstellt, wie ein zweiter Mensch erscheinen, wirklich wie ein zweiter Mensch erscheinen. Es wird dann schon durch den physischen Menschen, wie er vor uns steht, sichtbar; und was in die Rüpeleien, aber auch in manches Schöne hineinschießt, das erscheint wie ein zweiter, ein wolkenartiger Mensch im Menschen. Wir brauchen dieses Anschauen jenes zweiten, wolkenartigen Menschen im Menschen. Es ist heute überall die Frage nach diesem zweiten Menschen. Aber unsere Zivilisation gibt darauf keine Antwort.
Cite:
GA 239/1924-06-12/p010 · edition original