{"corpus":"steiner","locus":"GA 239/1924-06-14/p020","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wenn man so sich vorstellt,wie aus dem Schlafe heraus die Karmabildung webt, wie sie wieder hineinwebt durch den Schlaf beim Einschlafen, wie die normale Karmabildung den Menschen zu Taten treibt, seine Taten wiederum aufnimmt in das Karma, und der Mensch dabei das gewöhnliche Karma des Lebens lebt, oder wenn man anschaut,wie das Leben zusammengeschoben werden muß, der Mensch früher sterben muß, daher das Karma den astralischen Leib, den es stark in Anspruch nehmen muß aus früheren Taten, aufbauscht, was zu dem Krankwerden des Menschen beiträgt: überall zeigt sich, wie das Karma wirkt. Oder nehmen wir an, der Mensch hat einen Unfall und wird dadurch krank. Dann wirkt unter Umständen ein solcher Unfall, der karmisch bedingt sein kann, aber nicht sein muß, im weitern karmischen Verlaufe durch die folgenden Erdenleben hindurch. Krankheit kann auch der Anfang von Karma sein. Da wiederum wird man wahrnehmen, daß solche Krankheiten, die der Anfang von Karma sind, das Einschlafen unangenehm machen, namentlich erschweren. Aber wenn Krankheiten der Anfang von Karma sind, dann haben sie ja eigentlich etwas 'Tröstendes. Und das müssen wir uns gegenüber manchen Krankheiten durchaus sagen: Krankheiten, die erfülltes Karma sind, die für das Aufwachen unangenehm sind, die sind dasjenige, was auf vorhergehende, frühere Erlebnisse hinweist; Krankheiten, die werdendes Karma sind und die unangenehm beim Einschlafen sind, die uns nicht einschlafen lassen, die sind der Anfang von gutem Karma. Denn das wird ja ausgeglichen, was man in einer solchen Krankheit erleidet. Man hat jetzt den Schmerz, und nachher hat man sozusagen die Ausgleichung für den Schmerz, das erhebende und freudige Erleben. Da nimmt sich auch wiederum manches im Leben gegenüber der geistigen Betrachtung anders aus als gegenüber der physischen. Für das physische Erleben ist es manchmal recht schmerzlich, nicht einschlafen zu können; eine richtige Betrachtung des Geistigen kann einen darüber dann hinwegtrösten. Und wenn man nicht das momentane physische über das geistige Leben des Menschen stellt, so kann man eigentlich sagen: Gott sei Dank, daß ich so oftmals Schwierigkeiten habe mit dem Einschlafen, denn das beweist mir, daß ich im künftigen Erdenleben viel Erhebendes erleben werde; da will von meinem jetzigen Erdenleben viel hineinkommen in das folgende Erdenleben. - Schlaflosigkeit kann manchmal ein guter Tröster sein, und wäre nicht Schlaflosigkeit aus dem Geistigen heraus karmisch etwas Gutes, dann würde Schlaflosigkeit den Menschen viel mehr schaden. Denn manche Menschen erzählen einem ganze Legenden von ihrer Schlaflosigkeit, so daß man äußerlich-medizinisch das Urteil aussprechen könnte: Wieso lebt dann der Mensch noch? - Zum normalen Leben ist normaler Schlaf notwendig. Nun erzählen einem die Menschen, wie lange sie nicht geschlafen haben. Man muß dann erstaunt sein darüber, daß sie noch leben, denn sie müßten eigentlich tot sein, sie sind es aber nicht. Aber da wirkt jenes frische Geistige, das, vom Ich gehalten, in das Leben hineinwirkt, als ausgleichend. Und wenn man ein wenig das Leben überschaut, dann ist ja auch zuweilen der wirkliche ruhige Schlaf nach hartem Lebenskampf und harter Lebensarbeit zu ertragen; aber zu liegen in vollständiger Ruhe ohne zu schlafen und beim völligen Wachsein gewissermaßen die Nacht ruhig wachend zu verbringen, das ist dasjenige, was dennoch das Entzückendere ist, gerade weil es in den Willen gestellt ist, weil da der Mensch sich gerade in das Ewige mehr und mehr hineinlebt. Nur muß es eben in den Willen gestellt sein. Es darf nicht, wenigstens der Hauptsache nach, von dem bloß Physiologischen abhängen. Aber dennoch, für schweres Einschlafen und Schlaflosigkeit gibt es schon einen karmischen Trost, denn es weist eigentlich hin auf das künftige Karma, weist hin auf die Zukunft in bezug auf gewisse Dinge.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Fünfzehnter Vortrag","site_heading":null,"date":"1924-06-14","location":null,"word_count":589,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/239/1924-06-14/p020","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/239/1924-06-14/p020"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/239/1924-06-14/p020"}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. 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