{"corpus":"steiner","locus":"GA 240/1924-06-01/p005","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wir wissen ja, daß der Mensch, wenn er durch die Todespforte tritt, zunächst durchzumachen hat die Tatsache der Zerstreuung seines ätherischen Leibes in den Kosmos, nachdem er im Todesaugenblicke selbst den physischen Leib abgelegt hat. Nun, diese erste Etappe nach dem Tode, die Ablegung oder eigentlich Zerstreuung des ätherischen Leibes in den Kosmos, wollen wir heute nicht betrachten, sondern dasjenige, was darauf folgt. Und das kann am besten verstanden werden, wenn wir zunächst einen Blick auf das menschliche Erdenleben werfen, wie es sich abspielt zwischen der Geburt und dem Tode. Dieses menschliche Erdenleben durchläuft ja zwei scharf voneinander getrennte Zustände: das Wachen, das Schlafen. Nun wissen Sie aus den verschiedenen anthroposophischen Betrachtungen, daß der Wachzustand dadurch entsteht, daß die vier für den heutigen Menschen wesentlichen Glieder - der physische Leib, der ätherische Leib, der astralische Leib und das Ich — ineinandergefügt sind, in ihren Tätigkeiten gegenseitig sich anregen und stützen; daß aber der Schlafzustand dadurch entsteht, daß im Bette liegenbleiben der physische Leib und der ätherische Leib, die gewissermaßen provisorisch, vorübergehend ein Pflanzendasein führen, während der astralische Leib und die Ich-Organisation selbständig in der geistigen Welt, losgetrennt vom physischen und ätherischen Leibe, leben. Nun wissen Sie aber aus der gewöhnlichen Lebenserfahrung, daß der Mensch, wenn er die Erinnerung zurückschickt in sein Erdenleben, eigentlich diese Erinnerung in einem gewissen Sinne fälscht. Denn wenn wir zurückblicken mit dem gewöhnlichen Bewußtsein in unser Erdenleben, dann erscheint uns der Rückblick wie ein kontinuierlich fortwirkender Strom; ein Ereignis geht aus dem anderen hervor, und wir geben dabei zumeist nicht acht, daß wir es ja gar nicht zu tun haben mit einem solchen fortwirkenden Strom von Erinnerungen, sondern daß der Erinnerungslauf fortwährend unterbrochen ist durch die Nächte, so daß wir eigentlich die Erinnerung so sehen müßten: Tag, Nacht, Tag, Nacht; immer sozusagen ein Helles, gewissermaßen fortgesetzt in einem Dunklen, dieses wieder fortgesetzt in einem Hellen und so weiter. Unbewußt zum größten Teile, mit Ausnahme der Träume, die aufsteigen aus dem nächtlichen Schlafe, bleibt derjenige Teil des Erdenlebens, den wir verschlafen: es ist in der Regel ein Drittel des Erdenlebens, wenn der Mensch nicht gerade eine Schlafratte ist. Man kann durchaus zusammenzählen - auch wenn man in Betracht zieht, wieviel mehr das Kind schläft —, was geschlafen wird: man bekommt ungefähr ein Drittel der Lebenszeit auf der Erde heraus.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zweiter Vortrag","site_heading":null,"date":"1924-06-01","location":null,"word_count":382,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/240/1924-06-01/p005","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/240/1924-06-01/p005"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/240/1924-06-01/p005","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}