Zweiter Vortrag

GA 240/1924-06-01/p023 ·1924-06-01 · original (original)
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Gerade bei dieser Individualität, die im hohen Alter ihr Leben beschloß, liegt das vor, daß sie, nachdem sie soviel, ich möchte sagen, eines höchsten opferwilligen Guten bei dem aufkeimenden Christentum gesehen hatte und unendlich viel Böses, Schlechtes in dem damaligen Römertum, zu etwas kam wie zu einem Urteil und einer Frage: Wo ist denn das Mittelmaß? Gibt es nur ganz Gutes und ganz Böses in der Welt? - Man kann deutlich mit dem imaginativen, inspirierten Bewußtsein verfolgen, wie diese Individualität dann im 11. nachchristlichen Jahrhundert als Frau wiedergeboren wurde. Durch die Erlebnisse in der Frauenpersönlichkeit glich sich auf der einen Seite das Scharfe, Eckige wieder aus, zu dem diese Persönlichkeit während ihres römischen Lebens in hohem Alter gekommen war, wurde weich, wurde zum inneren sinnenden Betrachten des Guten und Bösen. Dann kam sie wieder, diese Persönlichkeit, im 18. Jahrhundert und wurde geboren als der deutsche Dichter Friedrich Schiller. Und nun versuchen Sie einzudringen in Schillers Leben, wie es sich herausarbeiter: erst zu einem Mittelmaß der Lebensauffassung; wie er dann Goethe dazu brauchte, um abzustreifen alles dasjenige, was er mitgebracht hat von der Überzeugung: es gibt nur Gutes, es gibt nur Böses. Lesen Sie seine Dramen, und Sie werden sie verstehen, wenn Sie in dieser Weise zurückblicken auf sein früheres Erdenleben. Aber welchem Umstande haben wir das zuzuschreiben? Wir haben das dem Umstande zuzuschreiben, daß Schiller, in dem noch dasjenige lebendig war, was er im römischen Leben durchgemacht hatte, nachdem er aber schon durchgegangen war durch die Fraueninkarnation im Mittelalter, dann sein Karma in der Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt besonders ausgestaltete in der Saturnsphäre.

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Cite: GA 240/1924-06-01/p023 · edition original