Zweiter Vortrag

GA 240/1924-06-01/p027 ·1924-06-01 · original (original)
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Ich glaube nicht, daß, wenn wir Geschichte so studieren, daß wir das, was auf der Erde geschieht, aus den Mysterien, aus den Geheimnissen des Kosmos heraus begreifen, die Erdengeschichte an Wert verliert. Mögen da immerhin trockene Professoren kommen und sagen: Nun ja, es ist doch viel lebensvoller, den Menschen Goethe zu nehmen, wie er sich darbietet, als ihn so hinaufzuheben in eine höhere Sphäre! - In besseren Zeiten der Menschheitsentwickelung, als es noch ein instinktives Hellsehen gegeben hat, da redeten die Menschen auch offen von der Art und Weise, wie sich durch Menschenhandlungen, Menschendasein hier auf der Erde das Himmelsdasein offenbart. Wir müssen zurückkommen, wir müssen aus dieser Abstraktheit herauskommen, wo wir glauben, wir seien solche Regenwürmer, die da auf der Erde stehen und hinaufschauen und nur dasjenige sehen, was die Astronomen und Astrophysiker von den Sternen sagen. Und dieser Kampf wird schon unbedingt verstanden werden müssen, der in unserer so schwergeprüften Zivilisation und Kultur vor sich geht zwischen den Menschen, die nach dem Geiste ringen, um den Kosmos in seiner Geistgesetzmäßigkeit zu durchschauen, und denjenigen Menschen, die nichts wissen wollen davon; die sich auf die Erde beschränken nicht nur in Naturwissenschaft, sondern auch in dem, was die Leute an den Universitäten Geisteswissenschaft nennen: da studiert man Dokumente, also auch dasjenige, was nur physisch-sinnlich da ist. Es wird schon eine Entscheidung kommen im Laufe der Erdentwickelung. Entweder geht unser Niedergang im Geistigen immer weiter und weiter vor sich, und eine Krankheit, von der ich seit Jahren spreche, auch in öffentlichen Vorträgen gesprochen habe, eine Krankheit wird sich immer mehr und mehr ausbreiten - es steht noch nicht viel von ihr in medizinischen Büchern, aber um so mehr im Leben: die «dementia professoralis» —, oder aber der Mensch wird sich bequemen müssen, aufzunehmen in seinen Enthusiasmus die Erkenntnisse des Übersinnlichen. Damit dringt er auch in den Zusammenhang zwischen dem Kosmos und dem menschlichen Leben ein.

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Cite: GA 240/1924-06-01/p027 · edition original