{"corpus":"steiner","locus":"GA 240/1924-06-01/p028","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Ich möchte Ihnen noch ein drittes Beispiel vorführen, das etwas komplizierter ist. Da hat man es zu tun mit einer Individualität, die in einem früheren Erdenleben verkörpert war in Indien, als Indien schon im Niedergange war, und in diesem Erdenleben allerlei aufgenommen hat, was sie aufnehmen konnte bei einem außerordentlich schlechten physischen Sehvermögen. Man muß schon auf solche Einzelheiten eingehen. Und Einzelheiten sind es zumeist - ich habe darauf das letzte Mal aufmerksam gemacht -—, wodurch man in die Zusammenhänge schauend hineinkommt. Diese Individualität hat dann auch verschiedene andere Erdenleben durchgemacht, die aber weniger maßgebend waren als dasjenige, was veranlagt in ihr war gerade dadurch, daß sie in Indien mit einem wegen des schlechten Sehens etwas oberflächlichen Blick die Lotosblumen und -blüten mehr sehnsuchtsvoll im Nebel gesehen hat als in deutlicher Klarheit, überhaupt das Leben so kennengelernt hat, wie man es kennenlernt, wenn man so drüber hinwegschaut, wenn man nicht eingeht auf die Dinge. Diese Individualität hat dann ihr Karma auf eine komplizierte Weise ausgebildet. Zunächst wurde in der Marssphäre alles dasjenige ausgebildet, was diese Persönlichkeit zu einer Art Kampfhahn auf geistigem Gebiete machte. Dann hat diese Persönlichkeit sehr viel an ihrem Karma gearbeitet in der Merkursphäre, aufgenommen Witz, Satire in der Merkursphäre. Und denken Sie sich im Hintergrunde eine nichteuropäische Welt: die Individualität tendiert dazu, in Europa wiedergeboren zu werden, sie geht aber durch die Marssphäre durch: Kampf; durch die Merkursphäre: schneidendes kritisches Denken und Empfinden. Nachdem sie dann noch besondere Eigenschaften ausgebildet hat in der Venussphäre - es ist ein ganz besonders kompliziertes Karma — und über das Physische wie hinwegschaut, aber doch außerordentlich stark durchgeistigt ist, wird diese Persönlichkeit im 19. Jahrhundert Heinrich Heine. Nun versuchen Sie sich einmal recht hineinzuversetzen in das Verständnis, das man für jede Strophe bei Heinrich Heine gewinnt bis in die Sprache, bis in die Gestaltung, bis in die Worte, wenn man weiß: das ist eigentlich in der Merkur-, Venus-, Marssphäre erzeugt, stammt eigentlich alles aus dem Kosmos. Im Kosmos wird eben das Karma gebildet und geformt; hier auf der Erde wird es ausgelebt. Und wenn man so zurückblickt auf dieses Lebenstableau: man schaut die Mondensphäre, Merkursphäre; von der Geschlechtsreife bis zum einundzwanzigsten, zweiundzwanzigsten Jahre die Venussphäre; vom einundzwanzigsten bis zum zweiundvierzigsten Jahre die Sonnensphäre, dann die Marssphäre, Jupitersphäre, Saturnsphäre - auf die folgenden Jahre kann ich nicht eingehen, da sieht man schon auch etwas, aber ich kann jetzt nicht darauf eingehen -, da erblickt man, daß diese Sphären etwas zu tun haben mit dem Karma. Das gewöhnliche Bewußtsein weiß nicht, daß das im Menschen ist: Merkursphäre, Mondensphäre und so weiter. Doch wird von dem, was da im Menschen ist, das Karma bewirkt; da wird der Mensch hingetrieben zu der Art, wie sich das Karma auslebt. Wenn also Heinrich Heine drüben durch Venus-, Merkur-, Marswesen sein Karma ausgestaltet hat, so sind es dieselben Venus-, Merkur-, Marswesen, die durch seine irdische Leiblichkeit wirken, damit sie ihm helfen, dieses Karma zu erfüllen. So steht der Mensch - gerade durch sein Karma - seiner ganzen Wesenheit nach in dem Kosmos darinnen, lebt hier auf der Erde den Kosmos aus. Narürlich der eine so, der andere so.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zweiter Vortrag","site_heading":null,"date":"1924-06-01","location":null,"word_count":521,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/240/1924-06-01/p028","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/240/1924-06-01/p028"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/240/1924-06-01/p028","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}