Zweiter Vortrag

GA 240/1924-06-01/p030 ·1924-06-01 · original (original)
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Sehen Sie, in dieser Art wird nun versucht, Anthroposophie immer mehr und mehr zu vertiefen. Und es wird schon hingenommen werden müssen, daß manches paradox klingt, befremdend klingt. Aber das Paradoxe und Befremdende ist eben die wirkliche Wahrheit. Denn das Menschenleben ist tiefer und komplizierter gegründet, als man gewöhnlich meint. Um es zu verstehen, darf man nicht auf der Erde bleiben mit seinen Gedanken, muß von der Erde hinausschweifen in die Weiten des Kosmos. Und wie man auf der Erde nur zu leicht den Geist vergißt und die Materie schaut, so ist das Gegenteil der Fall, sobald man wirklich nur mit ein wenig imaginativer Erkenntnis in den Sternenhimmel kommt. Da vergißt man ganz sicher die Materie und schaut allmählich die Geister, wie es schließlich in der alten primitiven Zeit die armen Hirten getan haben, wie es bis in das Mittelalter herein war, wo man nicht bloß äußere Zeichen hingezeichnet hat auf die Himmelssphäre, sondern Figuren, weil man in der Tat diese Figuren in imaginativer Erkenntnis schaute. Anthroposophie vertieft schon auch die Empfindung, wie ich öfters sagte. Denn denken Sie einmal: wenn man es mit solcher Erkenntnis versucht, wie ich sie geschildert habe, dann schaut man auf das Schicksal eines Menschen hin. Was sieht man da alles! Da beginnt man eigentlich auf das Schicksal eines jeden Menschen mit heiliger Scheu zu schauen. Denn was wirkt in dem Schicksale eines jeden Menschen? Umfassende Sternenweisheit! Ganz umfassende Sternenweisheit! Durch nichts schaut man in einer so ergreifenden, in die Seele tief einschneidenden Weise das Wirken der Götter im Weltenall, als wenn man es schaut im Schicksale des Menschen, in dieser durch das Ewige hindurch wellenden, umfassenden Weltgerechtigkeit, die eigentlich das hinter dem Menschenwesen webende Dasein, Tun und Handeln und Denken der Götter ist. Das wollte ich Ihnen heute vom Karma sagen. Das Karma der Anthroposophischen Gesellschaft und der Inhalt der anthroposophischen Bewegung.

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Cite: GA 240/1924-06-01/p030 · edition original