Erster Vortrag

GA 240/1924-07-18/p035 ·1924-07-18 · original (original)
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Wenn ich selber, vorbereitend die anthroposophische Bewegung, einen besonderen Schicksalsweg durchgemacht habe, so zeigte sich dieses in einem ganz merkwürdigen Zusammenhange mit dem Zisterzienser-Orden, der ja im Zusammenhange steht gerade mit Alanus ab Insulis. Ich bemerke für die, welche gerne Legenden bilden, daß ich mit Bezug auf meine eigene Individualität nichts zu tun habe mit Alanus ab Insulis. Ich möchte nur vermeiden, daß sich Legenden bilden aus dem, was ich esoterisch vorbringe. Es handelt sich darum, daß diese Dinge aus dem Esoterischen heraus dargestellt werden. In einer ganz merkwürdigen Weise hat mich mein Schicksal durch die äußeren Ereignisse auf das hinblicken lassen, was solche spirituellen Zusammenhänge lehren konnten, die ich jetzt dargestellt habe. Vielleicht kennen einige von Ihnen die Aufsätze «Mein Lebensgang» im «Goetheanum». Da mußte ich erzählen, wie ich in meiner Jugend nicht ein Gymnasium, sondern eine Realschule durchgemacht habe und mir die Gymnasialbildung erst später angeeignet habe. Ich muß das selber als eine merkwürdige Fügung meines Karma betrachten. Denn in der Stadt, wo ich meine Jugend durchmachte, waren nur ein paar Schritte vom Gymnasium zur Realschule, und um ein Haar handelte es sich, daß ich nicht in die Realschule, sondern ins Gymnasium gekommen wäre. Wäre ich aber damals in jener Stadt in das Gymnasium gekommen, so wäre ich Zisterzienser-Ordenspriester geworden. Das ist ganz zweifellos. Denn es war dies ein Gymnasium, an dem nur Zisterzienser lehrten. Ich hatte gar einen tiefen Hang zu allen diesen Patres, die auch zum großen Teile außerordentlich gelehrte Menschen waren. Ich las vieles, was diese Patres schrieben, es berührte mich außerordentlich tief; ich liebte diese Patres. Und eigentlich bin ich nur dadurch sozusagen neben dem Zisterzienser-Orden vorbeigegangen, daß ich gar nicht in das Gymnasium gekommen bin. Das Karma führte mich anders; aber der Zisterzienser-Orden ließ mich nicht los. Das beschreibe ich auch. Ich war eine Natur, die immer gesellig lebte, und ich erzähle in meinem Lebensgange auch, daß ich später im Hause der Marie Eugenie delle Grazie mit fast allen Theologen dort verkehrte. Das waren fast alles Zisterzienser-Ordenspriester. Da bildete sich sozusagen die Perspektive aus, um zurückzugehen. Es war auch persönlich für mich sehr naheliegend: der Blick, die Perspektive bildete sich aus, durch die Strömung des Zisterzienser-Ordens zurück in das geistige Leben hineinzukommen, bis in die Schule von Chartres. Denn Alanus ab Insulis war ein Zisterzienser. Und es ist merkwürdig: Als ich dann später das erste meiner Mysteriendramen, «Die Pforte der Einweihung», schrieb, da konnte ich aus ästhetischen Notwendigkeiten heraus gar nicht anders, als die Frauen in einer Bekleidung auf die Bühne zu bringen, die in einer langen Tunika und in dem bestand, was Stola genannt wird. Wenn Sie sich also ein solches Kleid so vorstellen, daß Sie eine gelblich-weiße Tunika haben, dazu die Stola schwarz und die Binde schwarz — dann haben Sie das Zisterzienser-Ordenskleid. Ich dachte damals nur an ästhetische Notwendigkeiten; aber es kam diese Bekleidung dem Zisterzienser-Ordenskleid sehr nahe. Da haben Sie einen Hinweis darauf, wie sich die Zusammenhänge für den ergeben, der in der äußeren Welt auftretende Symptome ihrer inneren spirituellen Bedeutung nach verfolgen kann.

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