Philosophie und Theosophie
Die Frühscholastik ist nicht das, als was man sie gewöhnlich heute mit einem Schlagwort charakterisieren möchte; sie ist im Gegenteil Monismus, Einheitslehre - nicht im Entferntesten ist sie dualistischer Natur. Der Urgrund der Welt ist für sie ein durchaus einheitlicher; nur hat der Scholastiker in Bezug auf das Erschauen dieses Urgrundes eine bestimmte Empfindung. Er sagt: Es gibt ein gewisses übersinnliches Wahrheitsgut, ein Weisheitsgut, das zunächst der Menschheit offenbart worden ist; das menschliche Denken mit all seiner Technik ist nicht so weit, um aus sich selbst in die Regionen zu dringen, deren Wesenheit der Inhalt der höchsten geoffenbarten Weisheit [ist]. Daher besteht für den Früh-Scholastiker ein gewisses Weisheitsgut, das zunächst der Denktechnik nicht zugänglich ist [; indessen reicht diese doch bis hart an die Grenze jener Offenbarungen]. - Nur insofern ist es ihr zugänglich, als der Gedanke imstande ist, das, was geoffenbart wurde, zu verdeutlichen.
Cite:
GA 246/1908-08-17/p012 · edition original