Philosophie und Theosophie

GA 246/1908-08-17/p017 ·1908-08-17 · original (original)
Record: listeners' notes. Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word. Evidence: «Nach zum Teil bruchstückhaften Mitschriften» (From transcripts that are in part fragmentary). The publisher's description of the volume, as mirrored on AnthroWiki (GA 246), which also speaks of "fragmentarischen Hörernotizen und Vortragszusammenfassungen". The translation is the maintainer's, not a published one.

[Was die Araber an falscher Mystik und überhaupt an pantheistischen Lehren besaßen, suchten sie mit dem Aristoteles zu stützen. Da musste man sich in der Scholastik doch fragen, ob denn tatsächlich jenes der wahre Aristoteles sei, der von den Arabern nach Europa importiert wurde.] Man musste sich sagen: Wenn das, was die Araber als Interpretation des Aristoteles herübergebracht haben, wahr ist, dann wäre der Aristotelismus eine wissenschaftliche Grundlage, die dazu geeignet wäre, das Christentum zu widerlegen. Nun stellen wir uns vor, was mussten demgegenüber die Scholastiker empfinden? Auf der einen Seite hielten sie fest an der Wahrheit des Christentums, auf der anderen aber konnten sie nach aller Tradition nicht anders, als eingestehen, dass die Logik, die Denktechnik des Aristoteles, die wahre, die richtige sei. Aus diesem Zwiespalt heraus ergab sich für die Scholastiker die Aufgabe: zu beweisen, dass man die Logik des Aristoteles anwenden könne, seine Philosophie treiben könne, und dass man gerade durch ihn das Instrument habe, das Christentum wirklich zu begreifen und zu verstehen. Es war eine Aufgabe, die durch die Zeitentwicklung gestellt war. Es musste der Aristotelismus so behandelt werden, dass ersichtlich wurde: Was als Lehre des Aristoteles von den Arabern gebracht worden war, ist dann nur eine missverständliche Auffassung desselben, wenn es dem Christentum feindlich sich erweist. Dass man es nur richtig deuten müsse, um in ihm das Fundament für das Begreifen des Christentums zu haben: Das war die Aufgabe, die sich die Scholastik stellte und der das gesamte Schrifttum des Aquinaten gewidmet war. [Daher war es nötig darzulegen, dass man gerade aus dem richtig verstandenen Aristoteles heraus die christlichen Lehren stützen könne. Nur so konnte man wirksam ankämpfen gegen den vom Morgenland kommenden halben Materialismus und verschwommenen Pantheismus.]

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