Philosophie und Theosophie
Nun kann man im Sinne des Aristoteles in einem richtig erkenntnistheoretischen Sinne dies Universelle ganz genau in dreifacher Weise unterscheiden. Man kann sagen, dieses Universelle ist das Wesentliche, das, worauf es ankommt. Aber ist dasjenige, was im menschlichen Denken lebt, dasselbe wie das, was wir im wahren Sinne als Form ansprechen? Nein. Der Mensch geht an die verschiedenen Wölfe heran und bildet sich den Begriff, ein Universelles, aus den einzelnen Wölfen. Aber das, was er da als einen Begriff sich gebildet hat, der die gleichen Eigenschaften zusammenfasst, das ist nur ein «Repräsentierende» des wahren Universellen. (Es kann das alles nur skizzenhaft angedeutet werden.) Sodass man also unterscheiden kann: Ein Universelles, das vor den Einzelheiten ist, die uns äußerlich entgegentreten; dann, weil es ja das Wesentliche darinnen ist, ein Universelles, das in den Dingen liegt; und eine dritte Form des Universellen, das sich der Mensch in Gedanken hinterher bildet. Es gibt somit: 1) universalia ante rem, 2) universalia in re, 3) universalia post rem. Die letzteren entrollen sich dem subjektiven Geiste und sind die «die objektiven realen Universalien repräsentierenden» inneren Erlebnisse.
Cite:
GA 246/1908-08-17/p035 · edition original