{"corpus":"steiner","locus":"GA 246/1908-08-17/p041","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Sie sehen, es hat in der Tat einen Weg gegeben, um in die Tiefen der Denktechnik einzudringen. Und wäre dieser Weg weiter beschritten worden, hätte man sich nicht einfangen lassen in das Kant’sche Gespinst vom «Ding an sich» und der Vorstellung, die subjektiv sein soll, dann hätte man zweierlei erreicht: Erstens wäre man zu einer in sich selbst sicheren Erkenntnistheorie gelangt, und zweitens - und das ist von großer Bedeutung — hätte man nicht in den maßgebenden Kreisen diejenigen großen Philosophen so gänzlich missverstehen können, die nach Kant gearbeitet haben. Es folgt zum Beispiel das Trifolium Fichte, Schelling, Hegel. Was sind sie dem heutigen Menschen? Man hält sie für Philosophen, die aus rein abstrakten Begriffen eine Welt haben herausspinnen wollen. Das ist ihnen niemals eingefallen. Aber man war eingezwängt in Kant’sche Begriffe und deshalb konnte man den größten Philosophen der Welt weder philosophisch noch sachlich begreifen. Sie wissen, es ist derjenige, der im Hause vis-A-vis, wie aus der Gedenktafel hervorgeht, die Sie sehen können, wenn Sie hier die Straße betreten, seine Jugendzeit verbracht hat: Hegel. Erst allmählich wird man dazu heranreifen, das zu verstehen, was er der Welt gegeben hat; erst dann wird man ihn begreifen können, wenn man wieder herauskommt aus dem theoretisch gesponnenen, beengenden Erkenntnisgespinst. Und das wäre so einfach! Man brauchte sich nur zu einem natürlichen, unbefangenen Denken zu bequemen und sich frei zu machen von dem, was in der philosophischen Literatur unter dem Einfluss der getrübten Strömungen des Kantianismus sich zu Denkgewohnheiten entwickelt hat. Man muss sich klar sein über die Frage: Verhält es sich denn wirklich so, dass der Mensch vom Subjekt ausgeht, sich im Subjekt seine Vorstellung baut und diese Vorstellung dann hinüberspinnt über das Objekt? Ist das wirklich so? Ja, es ist so. - Aber folgt daraus notwendigerweise, dass der Mensch niemals in das Ding an sich eindringen kann?","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Philosophie und Theosophie","site_heading":null,"date":"1908-08-17","location":null,"word_count":306,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/246/1908-08-17/p041","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/246/1908-08-17/p041"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/246/1908-08-17/p041","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"listeners_notes","scope":"volume","note":"Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word.","evidence":"Nach zum Teil bruchstückhaften Mitschriften","evidence_translation":"From transcripts that are in part fragmentary","evidence_source":"The publisher's description of the volume, as mirrored on AnthroWiki (GA 246), which also speaks of \"fragmentarischen Hörernotizen und Vortragszusammenfassungen\". The translation is the maintainer's, not a published one."}}