Philosophie und Theosophie
Nun müssen wir allerdings, wenn wir die Sache ganz vollständig betrachten wollen, noch etwas anderes skizzieren. Wir haben gesagt, dass Aristoteles darauf hingewiesen hat, dass bei allem, was um uns herum ist, notwendig unterschieden werden müsse zwischen dem, was Form (Entelechie) und was Materie ist. Nun kann man sagen: Wir kommen im Erkenntnisprozess bis zur Form heran in dem Sinne, wie eben dargestellt worden ist. Gibt es aber nun auch eine Möglichkeit, bis zum Materiellen heranzukommen? Wohl gemerkt: Aristoteles versteht unter dem Materiellen nicht nur Stoffliches, sondern die Substanz, dasjenige, was auch als Geistiges der Wirklichkeit zugrunde liegt. Gibt es eine Möglichkeit, nicht nur das, was herüberfließt, zu begreifen, sondern auch in die Dinge hineinzukriechen, sich mit der Materie zu identifizieren? Diese Frage ist auch für die Erkenntnistheorie wichtig. Sie kann nur von demjenigen beantwortet werden, der sich in die Natur des Denkens, des reinen Denkens, vertieft hat. Zu diesem Begriff des reinen Denkens muss man sich erst aufschwingen. Das reine Denken können wir nach Aristoteles als Aktualität bezeichnen. Es ist reine Form, es ist zunächst, so wie es auftritt, ohne Inhalt in Bezug auf die unmittelbaren einzelnen Dinge in der sinnlichen Wirklichkeit draußen. Warum? Machen wir uns einmal klar, wie der reine Begriff im Gegensatz zur Wahrnehmung entsteht.
Cite:
GA 246/1908-08-17/p043 · edition original