Philosophie und Theosophie
Nun ist die nächste Frage: Kommen wir überhaupt aus einem solchen subjektiven Denken zu irgendeiner Realität, zu einem Bleibenden? Und nun handelt es sich darum, dass ja, wie wir charakterisiert haben, das Subjektive zunächst, gerade im Denken konstruiert, formal ist, dass es zunächst für das Objektive wie etwas Hinzugebrachtes aussieht. Gewiss, wir können sagen: Im Grunde genommen ist es einem in der Welt befindlichen Kreis oder einer Kugel ganz gleichgültig, ob ich sie denke oder nicht. Mein Gedanke, der zur Wirklichkeit hinzukommt, ist für die um uns liegende Erfahrungswelt ganz gleichgültig. Diese besteht in sich, unabhängig von unserem Denken. Es kann also sein, dass unser Denken zwar für uns eine Objektivität ist, dass es aber die Dinge nichts angehe. Wie kommen wir über diesen scheinbaren Widerspruch hinaus? Wo ist der andere Pol, den wir jetzt ergreifen müssen? Wo gibt es innerhalb des reinen Denkens einen Weg, nicht nur die Form zu erzeugen, sondern mit der Form zugleich die Realität? Sobald wir irgendetwas haben, was mit der Form zugleich die Realität erzeugt, dann können wir an einen festen Punkt erkenntnistheoretisch anknüpfen. Wir sind ja überall, zum Beispiel wenn wir einen Kreis konstruieren, in dem besonderen Fall, dass wir sagen: Was ich von diesem Kreis sage, ist objektiv richtig - ob es anwendbar ist auf die Dinge, das hängt davon ab, dass, wenn ich den Dingen begegne, sie mir zeigen, ob sie die Gesetze in sich tragen, die ich konstruiert habe. Wenn die Summe aller Entelechien sich auflöst im reinen Denken, so muss ein Rest bleiben, den Aristoteles Materie nennt, wenn es nicht möglich ist, aus dem reinen Denken selbst zu einer Realität zu kommen.
Cite:
GA 246/1908-08-17/p047 · edition original