Philosophie und Theosophie
Damit wird eine solche Erkenntnistheorie, die gründlich vorgeht, zu etwas, was auch im reinen Denken den Weg zeigt, in die Realität hineinzugelangen. Geht man diesen Weg, so wird man schon finden, dass man von da aus in die Theosophie hineinkommen muss. Die wenigsten Philosophen haben ein Verständnis für diesen Weg. Sie haben sich in ein selbstgemachtes Begriffsnetz eingesponnen; sie können auch, weil sie den Begriff nur als etwas Abstraktes kennen, niemals den einzigen Punkt erfassen, wo er archetypisch schöpferisch ist; sie können dadurch auch nichts finden, durch das sie mit einem «Ding an sich» sich verbinden könnten. Sie sehen, was notwendig ist, bevor die Philosophen dazu kommen werden, einzusehen, dass die Theosophen nicht bloß Dilettanten sind. Es gehört dazu, dass die Philosophen erst die Philosophie haben, dass es eine wirklich in die Fundamente gehende Philosophie gebe. Es verhält sich nicht so, dass die Philosophie etwa der Theosophie widerspricht, sondern die Philosophen verstehen nur die Philosophie nicht. Sie wissen nichts von den tieferen Grundlagen der Philosophie, sie sind verblendet, eingesponnen in einen erkenntnistheoretischen Irrweg, aus dem sie nicht herauskommen können. Wenn sie einmal herauskommen, dann werden sie auch den Weg zur Theosophie finden. Dilettantisch ist nicht so sehr die Theosophie für die Philosophen (denn sie können sie nur nicht verstehen); dilettantisch ist vielmehr das, was heute als Philosophie vielfach die Welt beherrscht. Wenn diese Philosophie erst imstande sein wird, fachmännisch zu denken, dann wird auch die Brücke geschlagen werden zwischen Philosophie und Theosophie.
Cite:
GA 246/1908-08-17/p051 · edition original