Über den Einfluss von Sonne und Mond auf den Menschen
Nun fragt es sich, wie können wir den Sachen geisteswissenschaftlich beikommen, um so nach und nach sozusagen hineinzukommen in die geisteswissenschaftliche Betrachtung dieser Dinge, in die geisteswissenschaftliche Beleuchtung der äußeren Verhältnisse? Da muss ich Ihnen wiederum anführen etwas, was Goethe — wahrhaftig ein Geist, der unter den modernen Denkern und Forschern demjenigen, was wir Theosophie nennen, am nächsten steht -, in Bezug auf ähnliche Gebiete versucht hat, wie in Bezug auf Ebbe und Flut von anderen Versuche gemacht worden sind. Nämlich, als ich mich in Weimar eingehend beschäftigt hatte, nachdem ich Goethes naturwissenschaftliche und sonstige Werke jahrelang behandelt hatte, durch sieben Jahre hindurch mit den verschiedensten vorbereitenden Arbeiten, die Goethe gemacht hat, da fanden sich auch unzählige Tabellen mit einer unglaublichen Genauigkeit. Für die heutigen Goetheforscher, namentlich für solche, die Goethe-Biografien schreiben - nun sie gehören ja wirklich zu den fürchterlichsten Menschen heute; heute haben wir es erlebt, dass ein Engländer die neueste Goethe-Biografie verbrochen hat, die durch das ganze papierne Deutschland als etwas ungemein Hohes gepriesen wird, ein Buch, das uns nur zeigt, wie, wenn ein so minderwertiger Geist Goethe beschreibt, eben diesen auch zu einem minderwertigen Geiste macht; kein Mensch kann eben über sich hinaus, und es ist nur zu begreiflich, dass das Entsprechende auch aus Goethe wird, wenn ein solcher Mensch ihn aufs Korn nimmt -, nun, die Leute machen sich selbstverständlich keine Vorstellung von demjenigen, wie genau und emsig gerade Goethe gearbeitet hat da, wo es ihm ankam darauf, wissenschaftlich große Tatsachen festzustellen. Unendliche Tabellenreihen finden sich, in Zeichnungen ausgeführt, wo Goethe versucht, für die verschiedensten Orte Europas den Luftdruck festzustellen. Denn er wollte zeigen, dass der Barometerstand nicht abhänge von zufälligen Luftströmungen und äußeren Einflüssen von Mond und Gestirnen, sondern dass der Barometerstand einen regelmäßigen Stand zeigt, sodass für die ganze Erde die Luft sozusagen (einmal) dünner wird, einmal dichter wird. Und das wollte Goethe durch den Barometerstand zeigen, indem er das Fallen und Steigen tabellarisch verfolgte.
Cite:
GA 246/1909-12-12/p020 · edition original