32. Moral und Karma

GA 246/1910-11-12/p004 ·1910-11-12 · original (original)
Record: listeners' notes. Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word. Evidence: «Nach zum Teil bruchstückhaften Mitschriften» (From transcripts that are in part fragmentary). The publisher's description of the volume, as mirrored on AnthroWiki (GA 246), which also speaks of "fragmentarischen Hörernotizen und Vortragszusammenfassungen". The translation is the maintainer's, not a published one.

Geisteswissenschaft wird eigentlich erst recht fruchtbar, wenn wir sie im Leben zu beobachten vermögen, wenn sie Leben in uns selber wird. Für gewöhnlich mögen ja die theosophischen Grundsätze als Lehren interessant sein, aber das, was wir im wahren Sinne des Wortes nennen «eine Überzeugung haben von der Wahrheit der geisteswissenschaftlichen Lehren», das ist theoretisch außerordentlich schwer zu erreichen. Richtig ist ja, dass alle auf dem Wege echter Geistesforschung gefundenen theosophischen Lehren mit dem Verstande geprüft und mit der Logik erkannt werden können; ein weiter Weg ist aber von der Aufnahme der geisteswissenschaftlichen Lehren bis dahin, dass sie überhaupt geprüft werden können. Viele unserer Zuhörer wollen sich den Weg erleichtern und nehmen die spirituellen Wahrheiten auf Autorität hin. Das ist entschieden bequemer. Aber andrerseits kann heute auch kaum noch anderes möglich sein für den größten Teil der Menschheit. Denn schwierig ist der Weg der eigenen Prüfung; der andere Weg - das Leben so wie es ist, zu beobachten -, ist leichter. Wenn aber Karma in seinen Gesetzen richtig ist, dann muss sich mir das Leben so gestalten, dass ich sehen kann, wie da Karma wirkt als Erlebnis und als Charaktererziehung. Die Bewahrheitung im Leben ist für die Erlangung einer Überzeugung leichter für den geistig Strebenden.

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