Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit II
Man kann, wenn man die Beobachtung öfter macht, etwas, was ja theoretisch sehr leicht einzusehen ist, zu einer vollen Lebenspraxis erheben. Theoretisch leicht einzusehen ist: Wenn alles, was der Mensch machen muss, damit er leben kann, seinem eigenen Verstande, seiner eigenen Intelligenz überlassen wäre, so würde er gar nicht weit kommen - wirklich gar nicht weit. Denn wir brauchen uns diese Frage theoretisch nur in folgender Weise zu beantworten: Wann macht der Mensch eigentlich an sich selber die künstlerischsten Taten? Wann handelt er am allerweisesten an sich selber? Das tut er ungefähr bis zu dem Zeitpunkte, bis zu dem er sich noch zurückerinnern kann, wenn er im späteren Leben zurückblickt auf die verflossenen Jahre. Wenn Sie zurückblicken auf das, was sich vor drei, vier, fünf Jahren und so weiter zugetragen hat, so kommen Sie mit Ihrem Gedächtnis bis zu einem gewissen Punkt; weiter geht es nicht. Dann können Ihnen die Eltern oder die, welche bei Ihrem früheren Leben dabei waren, erzählen, was Sie als Kind vollbracht haben; aber die eigene Erinnerung reicht nur bis zu einem gewissen Punkt zurück. Das ist auch der Zeitpunkt, wo der Mensch gelernt hat, sich als ein Ich zu fühlen. Bei den Menschen, die sich im normalen Leben zurückerinnern, ist dies im Alter von drei oder dreieinhalb Jahren der Fall. Vor dieser Zeit aber hat die menschliche Seele am Menschen selbst die allerweisesten Dinge getan, und niemals kann der Mensch später, wenn er zu seinem Bewusstsein kommt, so Großartiges und Gewaltiges an sich selber leisten, als er in den allerersten Jahren seiner Kindheit im Unbewussten vollzieht. Denn wir wissen, dass wir durch unsere Geburt in den physischen Plan hineintragen, was wir uns mitgebracht haben als die Früchte der früheren Inkarnationen. Und wenn wir geboren werden, ist unser äußeres Gehirn zum Beispiel noch ein sehr unvollkommenes Instrument. Da muss nun des Menschen Seele hineinarbeiten die feineren Gliederungen. Aber während dieser Zeiten muss nicht nur das geschehen, dass wir unser Gehirn plastisch fein ausarbeiten müssen, sondern wir lernen auch drei der wichtigsten Dinge, bevor wir zum Bewusstsein kommen. Als Erstes lernen wir unsere eigene Körperlichkeit im Raume orientieren. Was damit gesagt ist, beachtet der heutige Mensch gar nicht ordentlich; denn darin liegt einer der wesentlichsten Unterschiede des Menschen vom Tier, indem das Tier von vorn herein bestimmt ist, seine Gleichgewichtslage im Raume zu entwickeln. Das eine Tier ist ein Klettertier, das andere ein Schwimmtier und so weiter. Das Tier ist von vornherein so organisiert, dass es sich in richtiger Weise in den Raum hineinsetzt, und das ist bis hinauf zu den menschenähnlichsten Säugetieren der Fall.
Cite:
GA 246/1911-06-06/p008 · edition original