Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit III
Verstehen wir uns wohl: Wie denkt denn der Mensch? Mehr oder weniger so, dass er von einem gewissen Punkte ausgeht und sagt: Ich habe das oder jenes begriffen, und von diesem Punkte aus versucht er nun, verschiedenes anderes zu begreifen. Wenn das nicht der Weg des menschlichen Denkens wäre, so wäre der Schulweg für manches nicht so schwierig. Ich kann ja voraussetzen, dass eine Vorstellung in dieser Beziehung bei den Theosophen besteht: Man kann nicht von einem Tage auf den anderen Mathematik lernen, weil man an einem Punkte anfangen muss - und langsam vorschreiten muss. Das dauert lange. Man kann nicht mit einem Blick das Denken übersehen; denn das menschliche Denken verläuft in der Zeit. Es ist nicht mit einem Schlage da. Man muss suchen, muss sich anstrengen, um den Gedanken zu finden. Diese Eigentümlichkeit des Menschen haben die anderen Wesenheiten nicht; sondern mit derselben Geschwindigkeit, mit der etwa ein Tier sich klar ist, wenn es etwas für seinen Instinkt Essbares vor sich hat, dass es danach schnappt, so tritt der Gedanke in der Seele einer solchen übermenschlichen Wesenheit auf - und ist da. Instinkt und nachdenkerisches Bewusstsein haben in Bezug auf diese Wesenheiten keinen Unterschied, sind ein und dasselbe. So wie die Tiere Instinkt haben auf ihren Stufen, in ihrem Reiche, so haben diese dhyanischen Wesenheiten oder Angeloi unmittelbares geistiges Denken, unmittelbares geistiges Vorstellen; etwas wie ein instinktives Vorstellungsinnenleben haben sie, sind also ganz anders geartet als die Menschen.
Cite:
GA 246/1911-06-07/p013 · edition original