Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit III
Am gewaltigsten war dieser Zusammenhang bei denjenigen Lehrern, die wir als die heiligen Rishis der Inder bezeichnen, die heiligen Lehrer der ersten nachatlantischen Kultur, jener ersten indischen Kultur, die sich ausgebreitet hat in einem gewissen Gebiet von Asien. Als die atlantische Katastrophe vorübergegangen war, die Physiognomie der Erde sich verändert hatte und die neue Gestaltung Asiens, Europas und Afrikas auf der östlichen Halbkugel sich entwickelt hatte, da wirkte - und zwar noch vor der Zeit, auf die wir jetzt als aus den Sagen der Ägypter selbst hingedeutet haben - die Kultur der alten großen Lehrer Indiens. Der heutige Mensch wird sich im Allgemeinen eine recht falsche Vorstellung von diesen großen Lehrern Indiens machen. Denn wenn zum Beispiel einem heutigen Gelehrten - einem Menschen, den man heute einen «Gelehrten» nennt -, einer der großen Lehrer des alten Indiens gegenübertreten würde, so würde er sonderbare Augen machen und würde vielleicht sagen: Das soll ein «Weiser» sein? So habe ich mir nie einen Weisen vorgestellt! - Denn im Sinne dessen, was bei dem heutigen Gelehrten klug oder gescheit ist, haben die alten heiligen Lehrer Indiens nichts Gescheites zu sagen gewusst. Das waren alles im heutigen Sinne einfältige, schlichteste Menschen; Menschen, die in der allereinfachsten Weise geantwortet haben selbst auf Fragen des alltäglichen Lebens. Und es gab viele, viele Zeiten, in denen man aus ihnen nicht viel anderes herausbringen konnte, als dieses oder jenes Wort, das einem heutigen Gelehrten recht einfach scheinen würde. Aber es gab auch wieder für die heiligen Lehrer Indiens bestimmte Zeiten, wo sie sich als etwas anderes, denn als bloße schlichte Menschen darstellten. In diesen Zeiten mussten sie dann in der Siebenzahl beieinander sein, weil das, was jeder Einzelne von ihnen empfinden konnte, harmonisch wie in einer Oktave von sieben Tönen zusammenklingen musste, sodass also jeder nach seinem besonderen Instrument und seiner besonderen Entwicklung die Möglichkeit hatte, dies oder jenes zu empfinden. Und aus dem Zusammenklang dessen, was jeder Einzelne empfand, entstand dann das, was als die Urweisheit herausklingt, wenn wir die wirklichen okkulten Urkunden zu entziffern verstehen, jene Urkunden, die nicht etwa die Veden oder das Vedanta sind - so sehr wir auch Veden oder Vedanta bewundern; sondern, was die heiligen Rishis gelehrt haben, das liegt noch viel früher, und nur ein schwacher Nachklang davon ist das, was wir in den Veden vor uns haben.
Cite:
GA 246/1911-06-07/p016 · edition original