{"corpus":"steiner","locus":"GA 246/1915-03-28/p007","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Man kann sagen, meine lieben Freunde, dass das Eintreten der Seele, die in Christian Morgenstern verkörpert war, in die geistigen Welten, ein Ereignis für diese geistigen Welten war, dass es in gewissem Sinne, wenn ich den prosaischen Ausdruck gebrauchen darf, Epoche machte in diesen geistigen Welten. Charakteristische Persönlichkeiten haben mit ihren Seelen im Laufe der letzten Jahrhunderte den Erdenplan verlassen. Die charakteristischsten Persönlichkeiten unter denen, die diesen Erdenplan verlassen haben, sie haben ihn verlassen mit einer Seele, die wohl bewandert war in all dem, was im Umkreis des Erdenhorizontes beobachtet werden kann, was im Umkreis der Erde Hervorragendes gedacht werden kann. Große Geister sind über die Erde geschritten, und intensiv hat sich das menschliche Erdendenken gestaltet. Mit diesem menschlichen Erdendenken hat man hineingeleuchtet in intime materielle Vorgänge des Lebens. Das ist gerade das Charakteristische der letzten Jahrhunderte, dass der Menschen Erdenverstand bloß intensiv hineinleuchten konnte in die materiellen Geheimnisse des Lebens. Und durch die Pforte des Todes gegangen sind Seelen mit ausgeprägtem intensivem Erdenwissen; sie haben hinaufgetragen in die geistigen Welten unendlich vieles von dem, was man auf der Erde wissend erringen kann. Aber wohl niemals ist hinaufgetragen worden, gerade von hervorragenden Seelen, durch die Pforte des Todes in die geistigen Welten so viel von dem, was der Erdenverstand sich erobern kann und was keine Bedeutung hat für die geistigen Welten, was da ist zur Erklärung der Sinnenwelten, was tiefe geistige Geheimnisse enthüllt der sinnlichen Welten, insofern ja auch diese sinnlichen Welten ihren Ursprung im Geistigen haben. Gerade den hervorragendsten Geistern war die Umgebung, in die sie eintraten durch die Pforte des Todes, ein Land, in dem für sie fremde Erscheinungen ihren geistigen Sinnen, ihrer geistigen Fassungskraft entgegenleuchteten. Und hinunterwenden mussten sie den inneren Blick zur Erde, um gewahr zu werden, dass sie überhaupt etwas sind. Man könnte aphoristisch sagen: Eine Versammlung von durch die Pforte des Todes gegangenen Seelen erblicken wir im Geisterlande, welche in hervorragendstem Maße das Erdendasein, die hervorragendsten Zyklen des Erdendaseins hinaufgetragen haben in die geistigen Welten. In ihren Kreis trat Christian Morgensterns Seele, jene Seele, die mit dem innersten Drange nach der geisteswissenschaftlichen oder, sagen wir direkt, Geistersprache ausgerüstet, in dem Irdischen schon dasjenige zu erleben trachtete, was überirdisch den Sinnen, was übersinnlich ist -, dasjenige zu erleben trachtete, was in der Kraft der Seele den Erdenmenschen zugleich belebt und befeuert, dasjenige, was diese Seele empfänglich macht im eminentesten Sinne für das, was der Seele entgegenleuchtet im Geisterlande, wenn sie durch die Pforte des Todes getreten ist. Und wie ein heller Stern, der aufgeht, ausgerüstet mit dem Leben, das auf der Erde angeeignet werden soll für die Geisterlande, trat Christian Morgensterns Seele in die Mitte derjenigen, deren Schauen für solche Sterne schon stumpf geworden war. Und so mancher könnte genannt werden von den hervorragendsten Geistern der vergangenen Jahrhunderte - Fichte, Schelling, Hegel -, die hinaufgestiegen sind durch die Pforte des Todes und sagten: Wir haben mit unserem Erdenverstehen der Erde Geheimnisse durchmessen, erkundet, aber leer blieb unser Verständnis für dasjenige, was uns jetzt umgibt; öde und leer blieb dasjenige, was Antwort gibt auf die große bedeutungsvolle Frage: «Was ist der Mensch, der lebendige Mensch im Geisterlande?» - Und Kunde brachte in ihren Kreis herauf von dem, was der Mensch eigentlich ist durch seine intime Verbindung mit der Geistersprache, der Geist, der in Christian Morgenstern hier auf Erden verkörpert war. Und Hegel und Fichte, sie konnten sagen: «Wir haben auf Erden zu ergründen versucht das, was der Erde Geheimnisse erklärt. Aber in all dem Umfange desjenigen, was wir an Begriffen aus dem Erdenverstand heraus, aus den tiefen Schächten der Erdenerkenntnis Gewisses herausholten, war nicht die Frage beantwortet, die hier vor uns sich hinstellt: «Was ist der Mensch? Was ist der Mensch in Wahrheit im ganzen kosmischen Zusammenhang? - Da tritt herauf und erklärt es uns durch das, was er ist, durch das, was er uns bringt, durch das, was er auf Erden schon für den Himmel vorbereitet hat, ein Mensch, ein Menschenstern!»","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Supplements to Member Lectures","date":"1915-03-28","location":null,"word_count":656,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/246/1915-03-28/p007","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/246/1915-03-28/p007"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/246/1915-03-28/p007"}]}